Die Abgeltungssteuer kommt - Was Anleger noch erledigen sollten

München - Ab dem 1. Januar 2009 wird die Abgeltungssteuer fällig. Private Anleger müssen deshalb nicht ihre Vermögensstruktur auf den Kopf stellen, wie manche Bank rät. Gerade Freunde von Aktien und Aktienfonds sollten aber prüfen, was sie tun können, um Geld zu sparen. Sechs Ratschläge:

1. Aktien und Aktienfonds kaufen

Investitionen in Aktien und Aktienfonds rentieren sich wegen der Abgeltungssteuer künftig weniger. Wer nach dem 1. Januar solche Anlagen erwirbt und später zu einem günstigeren Kurs abstößt, muss ein Viertel des Gewinns an den Fiskus abführen. Bislang müssen Anleger solche Erträge nicht versteuern, wenn sie die Spekulationsfrist von zwölf Monaten abwarten.

Der Gesetzgeber hat sich aber eine Gnadenregel einfallen lassen: Für Altbestände gelten nach dem Jahreswechsel die bisher angewandten Regeln. Wer also noch bis zum 31. Dezember in Aktien oder Aktienfonds investiert, muss später mögliche Wertzuwächse nicht versteuern, solange er vor dem Verkauf zwölf Monaten verstreichen lässt. Dieser Vorteil wird ohne zeitliches Limit konserviert. Er bleibt laut dem Investmentverband BVI selbst erhalten, wenn die Wertpapiere verschenkt oder vererbt werden. Allerdings wird dann eventuell Schenkungs- oder Erbschaftssteuer fällig.

Verbraucher, die ohnehin in nächster Zeit Aktien erwerben wollen und die es sich leisten können, sollten deswegen vor dem 1. Januar zuschlagen, um sich den Bestandsschutz zu sichern. Das lohnt sich umso mehr, je größer Anlagebetrag und Anlagehorizont sind. Wer beispielsweise vor dem Stichtag 5000 Euro in Fondsanteile steckt, erhält nach zehn Jahren bei einer unterstellten Rendite von sieben Prozent 9835 Euro zurück. Nach Abzug der Abgeltungssteuer wären es 8626 Euro, also 1209 Euro weniger.

2. Zur rechten Zeit einsteigen

Einen günstigen Zeitpunkt, um vor dem Jahreswechsel in Aktien oder Fonds zu investieren, sehen Marktbeobachter in den nächsten Wochen und Monaten. Viele vertreten die Ansicht, dass manche Titel bereits unterbewertet sind.

Andere erwarten weitere zum Teil auch noch deutliche Korrekturen. So schwanken die Prognosen spürbar. Einige Beobachter erwarten einen weiteren Rückgang deutlich unter 6000 Punkte beim Dax, viele erwarten einen leichten Anstieg. Langfristig allerdings, das erwarten die meisten, werden die Kurse deutlich über dem gegenwärtigen Niveau notieren. Hals über Kopf sollte sich aber niemand in den Aktienmarkt stürzen. Wegen möglicher Rückschläge empfiehlt Ökonomin Traud, derzeit nur schrittweise zu investieren.

3. Die richtige Aktienanlage wählen

Wer sich noch mit Aktien oder Fonds eindecken will, sollte bedacht zugreifen und langfristig denken. "Auf modische Anlagetrends zu setzen, wäre falsch", sagt Merten Larisch, Vorsorgeberater bei der Verbraucherzentrale Bayern in München. Schließlich frisst jedes Umschichten in Zukunft ein Viertel der Rendite. Die Papiere sollten deswegen unter der Prämisse gewählt werden, dass sie auch noch nach zehn Jahren einen ordentlichen Ertrag abwerfen können.

Viele Fachleute raten Kleinanlegern zu global oder europaweit investierenden Aktienfonds anstelle von Einzelwerten. Bei der Auswahl kann eine Fondsübersicht der Stiftung Warentest helfen, die im Magazin "Finanztest" veröffentlicht wird. Einige davon sind in der Tabelle unten aufgelistet.

Grundsätzlich sollten Investoren bei Fonds darauf achten, dass die Produkte schon länger auf dem Markt sind. Dann lässt sich mit Blick auf den Kursverlauf beurteilen, ob das Anlagekonzept aufgeht - wobei vergangene Erfolge kein Garant für die Zukunft sind. Zudem sollte die Verwaltungsgebühr 1,2 Prozent nicht übersteigen.

Als Alternative zu aktiv verwalteten Aktienfonds gelten Indexfonds, die auch als ETFs (Exchange Traded Funds) bezeichnet werden. Sie kopieren Aktienindizes wie den Dax. Wer solche Fonds erwirbt, lässt sich zwar eventuell eine höhere Rendite entgehen, die Spitzenfonds erzielen. Er schneidet aber nie schlechter ab als der breite Markt. Zudem sind die für ETFs  anfallenden Gebühren vergleichsweise niedrig.

Bezüglich Dachfonds, die in einzelne Aktienfonds investieren, scheiden sich die Geister. Banken preisen sie als Wundermittel gegen die Abgeltungssteuer, da deren Manager auch nach dem 1. Januar das Fondsvermögen umschichten können, ohne dass die Abgabe fällig wird. Somit können sie schlecht laufende Fonds auswechseln, ohne dass der Dachfondsbesitzer seinen Bestandsschutz einbüßt.

Verbraucherschützer kritisieren jedoch die hohen Gebühren. Zudem wird an der Qualität von Produkten gezweifelt, die manche Banken derzeit extra auflegen, um das Kapital von Abgeltungsteuer-Flüchtlingen anzulocken. Die Stiftung Warentest warnt: "Die Geldanlage, für die Sie am wenigsten Steuern zahlen, ist nicht unbedingt die beste."

"Dachfonds sind aber nicht pauschal zu verteufeln", sagt Gottfried Urban, Vorstandschef der Traunsteiner Vermögensverwaltung Neue Vermögen AG. Ein Qualitätsmerkmal ist nach seinen Worten die Zahl der Fremdfonds. Befinden sich neben den Produkten der begebenden Bank auch eine Vielzahl starker Fonds anderer Investmentgesellschaften im Portfolio, sei das ein gutes Zeichen. Als Faustregel raten die Warentester: Lieber ein guter Einzelfonds als ein mittelmäßiger Dachfonds.

4. Das Depot fit machen

Auch wenn es schwerfällt: Wer in seinem Depot Wertpapiere liegen hat, die keine Freude machen, sollte vor dem 1. Januar verkaufen und dabei eventuelle Verluste in Kauf nehmen. Das frei werdende Kapital können Anleger auf gute Fonds setzen, um sich den Bestandsschutz zu sichern.

Aber nicht nur Rendite-Nieten sollten aus dem Depot fliegen. Vermögensverwalter Urban rät Kleinanlegern allgemein zum Umschichten: "Weg von Einzeltiteln, Branchen- und Länderfonds, hin zu sich selbst verwaltenden breiten ETFs, Aktien- oder Dachfonds. Jetzt ist die Zeit, das Depot zukunftssicher zu machen."

5. Ein zweites Depot einrichten

Alle Anleger, die nach dem Steuer-Stichtag am Aktienmarkt investieren wollen, sollten ein Zweitdepot eröffnen. Dort hinein kommen die nach dem Stichtag erworbenen Anlagen, während die Wertpapiere mit Bestandsschutz im alten Depot lagern. "Das ist unbedingt zu empfehlen, sonst behält man den Überblick nicht", sagt Merten Larisch.

Der Hintergrund: Vermischen sich neu und alt, nimmt das Finanzamt an, dass bei einem Verkauf zuerst die alten Fondsanteile oder Aktien weggegeben werden. Damit kommen die Anleger aber schlechter weg, weil der Steuervorteil umso lukrativer ist, je länger die Papiere gehalten werden.

6. Zinsen nach 2009 verlagern

Aber nicht nur Aktienfans sollten im Vorfeld der Abgeltungssteuer aktiv werden: Vermögende Zinssparer können den Fiskus austricksen, indem sie Zinserträge ins kommende Jahr verlagern. Das kann sich lohnen, da Kapitaleinkünfte 2008 noch mit dem persönlichen Steuersatz von bis zu 45 Prozent belangt werden, ab dem nächsten Jahr aber nur noch mit 25 Prozent.

Ein Beispiel: Ein Spitzenverdiener (Steuersatz: 42 Prozent) mit Zinseinkünften von 10 000 Euro über dem Freibetrag würde heuer nach Steuern 5800 Euro einstreichen. Nächstes Jahr blieben ihm - Soli und Kirchensteuer nicht berücksichtigt - 7500 Euro.

Vortragen lassen sich Zinsen mit Festgeld oder Bundesschatzbriefen (Typ B), die Zinsen erst zum Laufzeitende ausschütten.

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