Abgewickelt: Wie tüchtige Arbeiter einem Konzern zu teuer wurden

- München - Ein kleines hochspezialisiertes Münchner Unternehmen verschwindet. Die Georg Fischer Druckguss - bekannter unter ihrem früheren Namen Mössner AG - verlagert die Produktion von München nach Österreich - das Aus für 340 Arbeitsplätze. Sehr zum Unmut des früheren Inhabers.

<P>Denn als Werner Mössner mangels Nachfolger 1999 verkaufte, hatte er mehrere Angebote in der Tasche. Einige sehr lukrative von Finanzinvestoren. Und ein weniger einträgliches vom Georg-Fischer-Konzern aus Schaffhausen. Mössner entschied sich für die konservative schweizerische Gruppe, die ihm versprochen hatte, das Unternehmen in seinem Sinn weiterzuführen.<BR><BR>Das was Mössner damals vermeiden wollte, ist nun eingetreten. "Tüchtige Leute", sagt er über seine damaligen Mitarbeiter, die jetzt um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten müssen. Das Urteil der Käufer über die gleichen Mitarbeiter und den Standort fällt vernichtend aus: Hohe Lohnkosten und ungünstige Infrastruktur sind offizielle Gründe, warum der Standort aufgegeben wird. Auf Nachfrage nennt Klaus Sterner von Georg Fischer die ungünstige Lage in einem Wohngebiet und Qualitätsprobleme. Es sei schwierig, in München ausreichend qualifiziertes Personal zu bekommen. Und: "In Österreich sind die Lohnkosten um 20 bis 30 Prozent niedriger."<BR><BR>"Wir hätten den Standort München in jedem Fall halten können", sagt dagegen Werner Mössner gegenüber unserer Zeitung. Er weiß, wovon er spricht. Er hat das Unternehmen 27 Jahre lang geleitet - zum Teil unter weit schwierigeren Bedingungen. Das begann bereits mit seinem Einstieg. Das Unternehmen sollte nach dem Tod seines Vaters verkauft werden. Der Sohn sagte Nein - und musste die Führung übernehmen. Mit 180 Mitarbeitern und 9 Millionen Mark Umsatz erwirtschaftete die Gießerei Verluste. Der neue Chef schaffte die Wende. Knapp drei Jahrzehnte später gehörte die Gruppe zu den ersten Adressen als Zulieferer für die Auto-Industrie. High-Tech-Teile aus Aluminium- und Magnesiumguss (unter anderem für Porsche) wurden in München entwickelt - und in zahlreichen Werken gebaut. Der teure Standort an der Isar war vor allem das Entwicklungszentrum. Neben zwei Fabriken in Deutschland verfügte Mössner über zwei in Österreich, je eine in Ungarn und - schon damals - in China. <BR>Aus den 180 Mitarbeitern waren 2400 geworden, aus 9 Millionen Umsatz 450 Millionen Mark. Dabei kämpfte Mössner mit einer damals keineswegs wirtschaftsfreundlichen Stadtverwaltung. Lange Zeit bekam er nur vorläufige Genehmigungen für seinen Betrieb. Als er verkaufte, waren diese Probleme allerdings längst vom Tisch. <BR><BR>"Der Standort München ist teuer", räumt der Betriebsratsvorsitzende Bernd Koopmann ein. Doch dann weicht seine Einschätzung von der offiziellen Schließungsbegründung ab: Ziemlich viele Führungswechsel habe es seit dem Einstieg der Schweizer gegeben. Diese sieht er als Ursache der Qualitätsprobleme und des schrumpfenden Auftragsvolumens. <BR><BR>Die Belegschaft wurde gestern in zwei Betriebsversammlungen von der Schließung informiert. Für einige gibt es die Chance, in Österreich unterzukommen, bei entsprechend schlechterer Bezahlung. Man werde mobilen und qualifizierten Mitarbeitern entsprechende Angebot machen, sagt Geschäftsführer Sterner.<BR><BR>"Die Mehrheit der Leute muss mit einer Kündigung rechnen", relativiert die Konzernsprecher Markus Sauter. Ganz und gar nicht nach dem Motto im Internet-Auftritt des Konzerns: "Adding Quality to People's Lives". Das bedeutet sinngemäß: Die Lebensqualität der Menschen mehren . . . </P>

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