ABS-Ärger: BMW bietet kostenlosen Brems-Check

- München - "Wir sind nach wie vor überzeugt von unserem System und sehen keinen Anlass, daran was zu ändern." Horst Reichl, Leiter der Fahrwerksentwicklung bei BMW Motorrad, hat keinerlei Zweifel. Am Münchner Flughafen versuchte der Motorradhersteller Kritik am Integral ABS entgegenzutreten.

Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft München I wegen Straßenverkehrsgefährdung. Die Verantwortlichen von BMW erwähnen dies nicht. Herbert Diess, Leiter von BMW Motorrad, spricht vielmehr davon, wie sehr sie von der "emotional geführten Diskussion über die Risiken des I-ABS" überrascht sind. "Wir nehmen diese Diskussion aber ernst und bemühen uns, auch den kritischsten Kunden zu beruhigen." Das soll mittels Aufklärung und kostenlosen Prüfaktionen passieren. Doch nicht alle kann BMW damit noch erreichen. Viele haben sich aus Enttäuschung von "ihrer" Motorradmarke abgewandt. Einer davon ist der Münchner Michael Stadler. Er wehrt sich energisch gegen die von BMW oft wiederholte Aussage, dass das Bremssystem nur bei der extremen Beanspruchung eines Sicherheitstrainings ausfallen könne. Seine Erfahrung ist anders. "Ich war deshalb auch etliche Male in der Werkstatt - erfolglos."

Der 47-jährige, der seit seinem 18. Lebensjahr BMW-Motorräder fährt, hält es auch für ein Gerücht, dass die nach einem Ausfall des Bremskraftverstärkers verbleibende hydraulische Bremskraft ausreicht, um das Zweirad sicher zu stoppen.

Stadlers Fall ist für Reichl einer, den BMW "ernst nimmt". "Wir wollen ja auch nichts schön reden und es gibt diese Fälle auch." Man müsse die Anzahl dieser Fahrer aber auch in Relation zu den insgesamt 260 000 Motorrädern sehen, die mit dem I-ABS ausgestattet seien. Mit der kostenlosen Überprüfung der Bremssysteme erhoffe sich BMW fundierte Ergebnisse. "Wir wollen genau wissen, wie es zu diesen Problemen kommen kann", sagt Reichl. Auch ein Ziel von Bernd Scherer, Serviceleiter Deutschland. "Jeder Kunde wird von uns jetzt angeschrieben und über den kostenlosen Bremsencheck informiert, gegebenenfalls tauschen wir auch den Druckmodulator kostenlos aus." Darüber hinaus sei dieser Check ab August Bestandteil bei jedem Kundendienst.

Maßnahmen, die auch der ADAC begrüßt. Im Vorfeld hatte der Club BMW heftig kritisiert. Maximilian Maurer, zuständig für die Bereiche Recht & Technik, findet es gut, dass BMW die Problematik nun ernst nehme. "Man hat erkannt, dass das mehr ist als nur ein Schönheitsfehler." Der ADAC werde die Sache weiter aufmerksam verfolgen.

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