Abschied von der "4" vor dem Komma

Arbeitslosenzahl sinkt: - München/Nürnberg - Die Statistiker der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg dürfen sich heuer vermutlich bis auf Weiteres von einer Ziffer verabschieden, die sie lange begleitet hat: der "4". Denn nachdem die Zahl der Joblosen im April wieder unter die Vier-Millionen-Marke gesunken ist, rechnen Fachleute wegen der guten Konjunktur mit einer weiteren deutlichen Entspannung im Jahresverlauf. Der Wert für den Zwölf-Monatsschnitt dürfte deswegen 2007 erstmals seit 2001 wieder eine "3" vor dem Komma tragen.

So hält etwa Hans-Ulrich Brautzsch vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) einen Rückgang der Arbeitslosigkeit auf durchschnittlich 3,6 bis 3,7 Millionen im laufenden Jahr für möglich. 2008 könnten es sogar knapp unter 3,5 Millionen sein. Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut ist nur etwas weniger optimistisch: Bis zum Herbst seien weniger als 3,5 Millionen Menschen ohne Job möglich. Den Jahresdurchschnitt sieht der Volkswirt bei 3,8 Millionen. Im letzten Jahr waren im Schnitt knapp 4,5 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos gemeldet.

"Die Unternehmen werden Stellen schaffen, weil ihre Kapazitäten voll ausgelastet sind", erklärt der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Andreas Rees. Vor allem in den Export orientierten Branchen wie Maschinenbau, Chemie, Automobilindustrie und Elektrotechnik werden nach Ansicht seines IWH-Kollegen Hans-Ulrich Brautzsch verstärkt Mitarbeiter gesucht. Dabei würden nicht nur Jobs für Ingenieure geschaffen, sondern auch für Facharbeiter.

"2007 kann ein wirklich gutes Jahr werden", sagte auch Bundesarbeitsminister Franz Müntefering bei den traditionellen Mai-Kundgebungen in Berlin. Der Vizekanzler hatte gleichzeitig bekannt gegeben, dass die Zahl der Arbeitslosen im April 2007 wieder unter die Marke von vier Millionen gesunken ist. Gut 3,9 Millionen Menschen seien ohne Job gewesen, das sind 1,1 Millionen weniger als noch im Frühling vor zwei Jahren. Nach den Worten Münteferings stieg zudem die Zahl der offenen Stellen binnen dieser Zweijahresfrist von damals 420 000 auf heute 920 000. Die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen habe sich von 555 000 auf rund 400 000 weiter verringert.

Auch Bayern verzeichnete eine deutliche Entspannung. Die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat fiel erstmals in diesem Jahr unter die Marke von 400 000. Nach Berechnungen von Experten ist die Erwerbslosen-Zahl um rund 40 000 zurückgegangen. Von der positiven Entwicklung würden sämtliche Gruppen erfasst, Jugendliche genauso wie Arbeitnehmer über 50 Jahren, sagte Bayerns Arbeitsministerin Christa Stewens (CSU).

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