Der Abschwung naht: Infineon´bleibt nur kurze Freude am Gewinn

- München - Nach drei Verlustjahren muss man sich beim Münchner Halbleiter-Hersteller Infineon erst an Gewinn gewöhnen. 61 Millionen Euro Überschuss hätte Finanzvorstand Peter Fischl für das abgelaufene Geschäftsjahr verkünden können, aber ihm rutschte bei der Präsentation der Jahresbilanz das Wort "Fehlbetrag" heraus. Dabei soll das künftig ein Unwort sein bei Infineon. Mit Sparmaßnahmen will der neue Chef Wolfgang Ziebart den Konzern fit machen für die harten Zeiten, die der Branche bevorstehen.

<P>Die guten Nachrichten hielt Ziebart kurz. Schließlich ist er erst gut zwei Monate Vorstandsvorsitzender des Technologie-Unternehmens und an Wohl und Wehe im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. September endete, kaum beteiligt. Der Umsatz von 7,2 Milliarden Euro ist der höchste, den Infineon bisher erzielt hat. Und nach langer Schwächephase schrieb der Konzern wieder schwarze Zahlen. Trotzdem hat Ziebart eine Kraftanstrengung vor sich. "Wir bereiten uns auf den nächsten Abschwung vor", sagte er.<BR><BR>Der Halbleitermarkt bewegt sich wellenförmig. Zuletzt schwappte das Geschäft aufwärts. Der weltweite Absatz steigt heuer nach Branchen-Einschätzung um 25 bis 30 Prozent. Und davon profitierte Infineon. Die drei Bereiche Auto- und Industrieelektronik, "Sichere Mobile Lösungen" sowie Speicherprodukte steigerten Umsatz und Gewinn deutlich. Lediglich bei der drahtgebundenen Kommunikation ist Infineon kaum vorangekommen. Das wird sich auch nicht so schnell ändern. Denn der Markt schwenkt wieder auf eine Abwärtsbewegung ein.<BR><BR>Schon im vierten Quartal des Geschäftsjahres entwickelte sich das Geschäft bei Infineon schlechter als erwartet. Der Gewinn von 44 Millionen Euro enttäuschte die Börsianer. Die Infineon-Aktie verlor zeitweise 3,7 Prozent auf 8,33 Euro. Für 2005 sind höchstens zehn Prozent Markt-Wachstum zu erwarten. Und 2006 dürfte der Markt schrumpfen, heißt es in der Branche. Beim letzten Mal, als es so weit war, endete das bei Infineon in tausenden Stellenstreichungen und Milliardenverlusten. Das soll diesmal verhindert werden. Alle Bereiche werden überprüft, ob sie zum Kerngeschäft gehören und auch in einem Wellental rentabel sein können. "Grundgedanke ist, keine Aktivität weiterzuführen, die in einem nächsten Abschwung mit hoher Wahrscheinlichkeit beendet werden würde."<BR><BR>Für die Unternehmens-Säulen Automobil und Industrie, Kommunikation sowie die - wegen ihrer besonders starken Schwankungen lange umstrittenen - Speicher unterstellte Ziebart, auch eine Branchenkrise meistern zu können. Die Wagniskapital-Gesellschaft Infineon Ventures etwa gehört nicht dazu. Da sie nicht zum Kerngeschäft zähle, habe man sich zum Verkauf entschieden. Details über weitere Maßnahmen gab Ziebart ("Die Bestandsaufnahme habe ich noch nicht vollständig abgeschlossen") nicht preis. Aber die Mitarbeiter müssen sich wohl auf weitere Anstrengungen einrichten.<BR><BR>Der neue Infineon-Chef lobte asiatische Standorte, schilderte Wachstumspläne für Fernost und erklärte, dass der Ausbau der Chip-Produktion in den USA hilft, den ungünstigen Währungseffekt des teuren Euro zu lindern. Deutschland kam bei den Vorhaben für die nächsten Monate höchstens indirekt vor. Man verhandele mit Betriebsräten über flexible Regelungen, um die Kosten in Schwächephasen des Marktes reduzieren zu können. Weitere Stellenstreichungen sind nicht ausgeschlossen. Ziebart sagte dazu: "Wir versuchen natürlich, sowas zu vermeiden."<BR></P>

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