Die Absteiger im Höhenrausch

- München - Börsenweisheiten sind meist griffige Formeln. Doch wer sich daran hält, zahlt oft eine Menge Lehrgeld. So gilt es vielen Experten als ausgemacht, dass man eine Aktie kaufen soll, wenn sie in einen wichtigen Index aufgenommen wird, weil dies den Kurs nach oben treiben würde und sich von ihnen zu trennen, wenn sie absteigen. Ein eher schlechter Rat.

<P>Indexfonds, so das Argument, müssen den jeweiligen Index nachbilden. Sie kaufen die Aktie eines Dax-Neulings, und verkaufen die Absteiger. Entsprechend bewegen sich die Kurse. Die Praxis sieht anders aus: Gerade in jüngster Zeit häuften sich Fälle, in denen die Kurse mit dem Aufstieg bestenfalls stagnierten. </P><P>Oder in denen Aktien nach dem Abstieg ein Kursfeuerwerk entfachten:Epcos flog im November 2002 aus dem Dax und hat sich seither weit besser entwickelt als der Index. Auch den Tec-Dax, in dem Epcos nun geführt wird, hat die Aktie geschlagen.<BR><BR> MLP war von Anfang an ein Prügelknabe im deutschen Leitindex: Mit dem Aufstieg begann der Kursverfall. Bereits im Vorfeld des Abstiegs kehrte sich der Trend ins Gegenteil. Seit der Entscheidung kennt der Kurs kein Halten mehr. Wer vor drei Monaten die Aktie des umstrittenen Finanzdienstleisters kaufte, könnte jetzt rund 40 % Gewinn realisieren.<BR><BR> Die HypoVereinsbank wurde aus dem Euro-Stoxx 50 verbannt und kann sich der Käufer kaum mehr erwehren. Rund 20 % hat die Gruppe seither an Börsenwert gewonnen. Das kann nicht nur an Sanierungserfolgen liegen.<BR><BR>Rolf Drees von Union-Investment relativiert das Fonds-Argument: "Es gibt indexnahe Fonds, die nicht sklavisch gebunden sind. Diese können einen bevorstehenden Wechsel vorwegnehmen. Außerdem werde ein Unternehmen, das aus dem Dax fällt, in den M-Dax oder den Tec-Dax aufgenommen. Wo ein Manager verkauft, muss so ein anderer zugreifen. Insgesamt hält Drees Index-Zugehörigkeit für weniger wichtig. Es komme vor allem auf das Unternehmen an.<BR><BR>"Fundamentale Daten stehen im Mittelpunkt", bestätigt auch Michael Heinrich vom Bankhaus Löbbecke. So sieht er den Anstieg von MLP auch im Zusammenhang mit der Bewältigung des Bilanzchaos, das dem Finanzdienstleister vorgeworfen wurde. Viele Absteiger seien auch gerade im Vorfeld ihres Abstiegs gedrückt gewesen, das gleiche sich aus.<BR><BR>Ein Argument, das MLP selbst immer wieder als Grund für die langanhaltende Kursschwäche genannt hat, (und das dann auch den Wiederanstieg erklären würde) teilen Experten nicht: Hedge-Fonds, so hatte der Finanzdienstleister in der Krise immer wieder gestreut, hätten die Aktien gezielt angegriffen. Das würde zwar den Anstieg erklären. Gleichwohl lässt Heinrich dieses Argument nicht gelten: "Dann hätte man deutlich höhere Umsätze feststellen müssen."<BR></P>

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