Abstürzende Bankentitel ziehen DAX ins Minus

Frankfurt (dpa) - Sorgen über die Situation des heimischen Finanzsektors haben den deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt erneut tief ins Minus gedrückt.

Gleich mehrere europäische Banken mussten über Rettungsaktionen gestützt werden, wodurch das viel diskutierte Rettungspaket der US-Regierung in den Hintergrund rückte. Der DAX verlor bis zum frühen Nachmittag 2,80 Prozent auf 5.893,81 Punkte. Der MDAX rutschte unter die 7.000-Punkte-Marke und gab 4,55 Prozent auf 6.952,92 ab. Der TecDAX fiel um 3,70 Prozent auf 698,41 Zähler.

Neben der Hypo Real Estate (HRE) benötigt auch der angeschlagene belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis Hilfe von auen und wird teilweise verstaatlicht - das gleiche gilt für die britische Hypothekenbank Bradford & Bingley . "An der Börse macht sich jetzt Panik breit", sagte Heino Ruland von FrankfurtFinanz Partner.

Die Investoren bekämen es nun richtig mit der Angst zu tun, nachdem sich in der vergangenen Woche noch vereinzelt Zuversicht gezeigt habe. "Das ist ein Umfeld, in dem sich keiner positionieren kann, weil alles in Frage gestellt wird", sagte der Experte. "Das sind die finalen Auswirkungen der Finanzkrise in dem Sinne, dass wir jetzt sehen werden, wer zusammenbricht und wer nicht."

Die HRE-Aktien brachen um 69,31 Prozent auf 4,14 Euro ein. Zeitweise verloren die Titel mehr als zwei Drittel ihres Wertes. Der Immobilien- und Staatsfinanzierer musste von einem Bankenkonsortium finanziell aufgefangen werden. Auerdem erklärte sich die Bundesregierung bereit, das Engagement der Banken mit einer Staatsgarantie abzusichern. Vorausgegangen waren Spekulationen über einen Kollaps wegen massiver Liquiditätsprobleme.

"Dieser Schritt dürfte signifikante Auswirkungen auf die künftigen Gewinne der Hypo Real Estate haben", schrieb WestLB-Expert Christoph Bossmann. Als ersten Schritt stufte er die Titel von "Buy" auf "Hold" ab. Andere Analysten reagierten ähnlich.

Andere Bankenwerte wurden regelrecht ausverkauft, wie Händler sagten. Commerzbank rutschten im Sog der Negativschlagzeilen um 17,24 Prozent auf 11,925 Euro ab. Die im MDAX notierten Titel der Aareal Bank brachen sogar um 36,44 Prozent auf 8,04 Euro ein. "Niemand schenkt den Aussagen einer Bank derzeit Glauben - hier wird die ganze Branche gnadenlos abgestraft", sagte ein Händler.

"Bei der Commerzbank sehen Anleger über die Tochter Eurohypo Verbindungen zum Geschäft mit der HRE", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Allerdings sei die Commerzbank durch Spareinlagen nicht so stark auf eine kurzfristige Refinanzierung angewiesen. Die Aareal Bank habe im Unterschied zur HRE kein kurzfristiges Staatsfinanzierungsgeschäft. Daher sollten hier die Probleme nicht so verschärft auftreten.

"Das Erschreckende ist, dass man den Banken nichts mehr glauben kann", fasste ein Händler die Stimmung am Markt zusammen. Deutsche Bank gaben 7,09 Prozent auf 51,005 Euro ab. Allianz fielen um 6,46 Prozent auf 96,66 Euro. Auch Aktien von Immobilienunternehmen litten unter der Notwendigkeit von Rettungsaktionen.

"An einem Tag wie heute werden alle, die mit der Branche etwas zu tun haben, in einen Sack gesteckt", kommentierte ein Marktteilnehmer die Kursverluste. So rutschten IVG Immobilien im MDAX um 14,56 Prozent auf 7,04 Euro ab. Gagfah verloren 12,69 Prozent auf 8,12 Euro.

Im MDAX gaben Aktien von Arcandor nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung 1,57 Prozent auf 1,88 Euro ab - im frühen Handel waren sie bis auf 1,64 Euro gefallen. Die Privatbank Sal. Oppenheim hat die 23 Millionen neuen Aktien gezeichnet, wie am Nachmittag mitgeteilt wurde. Ein Börsianer wertete positiv, dass die Aktien nicht über den Kapitalmarkt sondern von einem Investor gezeichnet werden. Der Handels- und Touristikkonzern gab am Morgen auerdem bekannt, dass die Anteile an Thomas Cook nicht verkauft werden. Auch das sehen Händler eher positiv. "Ohne Thomas Cook wäre Arcandor nichts mehr wert."

Im TecDAX stiegen die Titel MorphoSys an der Indexspitze 0,97 Prozent auf 42,48 Euro. Das Biotechunternehmen hat am Morgen die Verlängerung des bestehenden Lizenzvertrags mit der japanischen Shionogi & Co bekanntgegeben. Analysten sehen das als Bestätigung der starken Position von MorphoSys.

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