Abwärtsspirale mit globaler Wirkung

New York ­ - Selbst gute Nachrichten helfen nicht mehr. Die US-Hypothekenkrise mit bislang unschätzbaren Folgen erwischt die Börsen immer heftiger. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Lage war absehbar und viele Experten haben sie seit Jahren in allen Details geschildert: Die immer weiter steigenden Hauspreise in den USA bildeten eine Blase, die einmal platzen musste. Doch die Kreditwirtschaft zögerte dieses Platzen mit immer riskanterer Geldvergabe hinaus.

Kaum noch einer glaubte die langsam angestaubte Geschichte vom Platzen der Blase, die schon so lange ausgeblieben war. Und immer größere Gruppen von Menschen in den USA wurden weiter ermuntert, ihre eigenen vier Wände zu kaufen -­ egal, ob sie es sich leisten konnten.

Nun kam es, wie es kommen musste. Immer mehr Amerikaner können wegen steigender Zinsen ihre Hypotheken nicht mehr bedienen. Häuser werden versteigert. Während die Zinsen weiter steigen, fallen damit die Immobilienpreise. Das lässt weitere Kredite faul werden.

Doch kommt es bei der Bewältigung der Krise darauf an, "ob sie noch andere Segmente ansteckt", wie Jens Erhardt, Gründer und Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltungsgruppe, sagt. Er schätzt das Risiko auf "50 zu 50".

Für eine Ausbreitung der Krise gibt es eine Reihe von Anzeichen. Für Unternehmen in den USA wird es bereits schwieriger, an Liquidität zu kommen. Die Banken horten ihr Geld für noch schlechtere Zeiten.

Gleichzeitig zeichnen sich Konsumausfälle ab. Wer nach der Zwangsversteigerung seinen Hauses immer noch auf einem enormen Schuldenberg sitzt, hat nichts zu konsumieren. Wer akut noch nicht bedroht ist, aber Angst hat, selbst in die Bredouille zu geraten, hält sein Geld in der Regel erst einmal zusammen.

Damit sind die Grenzen für einen Krisen-Export ins Ausland schon einmal geöffnet: Ausbleibender Konsum könnte die wichtigsten Exportnationen in ihrer Entwicklung beeinträchtigen. Neben Deutschland und Japan ist das mittlerweile vor allem China, die verlängerte Werkbank der USA für Konsumgüter. All diese Länder könnten sich wie üblich von dem Schnupfen der US-Wirtschaft eine mittlere Lungenentzündung holen. Das war schon immer so.

Doch diesmal hat die Krise ein zweites Export-Schlupfloch gefunden, das alle bisher genannten Effekte weiter steigert: Die faulen Kredite wurden gemeinsam mit weniger ausfallgefährdeten in Pakete von gemischten Geldanlageprodukten geschnürt und weltweit verhökert. Die hohen Zinsen waren ein gutes Lockmittel, die hohen Risiken waren hinter guten Ratings versteckt. So haben auch deutsche Banken mit den faulen Krediten zu kämpfen, die ihnen die Kollegen von der anderen Seite des Atlantiks untergejubelt hatten.

Für Jens Erhardt liegt die Hauptverantwortung bei den Rating-Agenturen. Diese hätte weit bessere Noten vergeben, als es angemessen gewesen wäre. Oft, so Erhardt, "war das nur verpackter Schrott".

Das alles tut -­ vorsichtig formuliert ­- den Aktienmärkten nicht gerade gut. Doch selbst da kommt etwas obendrauf: Es waren vor allem ausländische Investoren, vor allem aus den USA, die in Deutschland Geld investiert hatten. Dass dieses Geld oder Teile davon, nun in Krisenzeiten woanders gebraucht und abgezogen wird, verstärkt die Abwärtswirkung. Gemessen daran, war ein Kursrückgang von unter 10 Prozent, eher mild.

Ist ein Ende schon absehbar? Anlageprofi Erhardt ist eher pessimistisch. "Ich fürchte, dass es noch schlimmer kommt." Er erwartetet den Höhepunkt der Krise erst für Mitte nächsten Jahres und rechnet damit, dass sich Anleger erst einmal auf härtere Zeiten einstellen müssen.

Erhardt hält die Krise für schwerer in den Griff zu bekommen als die Technologiekrise 2000. Damals seien die Ursachen weniger komplex gewesen. Und welches Rezept würde heute wirken? Erhardt: "Die US-Notenbank sollte die Zinsen zügig senken, und die Europäische Zentralbank darf sie nicht weiter erhöhen."

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