+
Der Abwärtstrend beim Energieriesen RWE hält weiter an. Foto: Marcel Kusch

Verfall der Strompreise

RWE schafft nur noch Mini-Gewinn

Der erfolgreiche Börsengang der Tochter Innogy soll dem kriselnden RWE-Konzern neuen Schwung bringen. Vorerst sehen die Zahlen aber weiter düster aus: Im bisherigen Jahresverlauf schaffte das Essener Großunternehmen unter dem Strich ganze elf Millionen Euro Gewinn.

Essen (dpa) - Der Essener Energieriese RWE leidet ungeachtet des erfolgreichen Börsengangs der Tochter Innogy weiter schwer unter dem Preisverfall an der Strombörse: In drei Quartalen schaffte der Konzern unter dem Strich nur noch einen Mini-Gewinn von elf Millionen Euro.

Das teilte das Unternehmen mit. Neben der Stromerzeugung schlugen Verluste im Energiehandelsgeschäft zu Buche. Im Vorjahr hatte der Überschuss nach neun Monaten noch 1,9 Milliarden Euro betragen, was aber vor allem an Einmalgewinnen aus dem Verkauf von Randgeschäften lag.

RWE spürt auch bereits erste Anzeichen der künftigen Milliardenlasten für den Atomfonds: Wegen der anstehenden Zahlung von voraussichtlich rund 6,8 Milliarden Euro schichtete das Unternehmen bei seinen Geldanlagen um, wodurch sich das Finanzergebnis verschlechterte. Bereinigt um Sondereffekte unter anderem aus Anlagegeschäften sackte der Nettogewinn um knapp 60 Prozent auf 227 Millionen Euro ab.

Für das Gesamtjahr hält das Unternehmen dennoch an seiner Prognose eines bereinigten Nettoergebnisses zwischen 500 und 700 Millionen Euro fest. RWE habe angesichts der schwierigen Bedingungen vor allem für die konventionelle Stromerzeugung ein "respektables Ergebnis erzielt", sagte der neue Finanzchef Markus Krebber.

Die neue RWE-Tochter Innogy ist seit Anfang Oktober an der Börse. Hier hat RWE sein Zukunftsgeschäft mit Netzen, Vertrieb und Ökostrom gebündelt. Die Zahlen werden weiter voll bei RWE einbezogen, da der Konzern auch nach dem Börsengang noch 76,8 Prozent der Anteile hält und dauerhaft Mehrheitseigentümer bleiben will. Innogy hatte bereits am vergangenen Freitag einen Gewinnrückgang für die ersten neun Monate gemeldet.

Im Mutterkonzern geblieben sind von den operativen Geschäften neben dem Energiehandel nur die angeschlagenen Großkraftwerke. Hier lief es zuletzt etwas besser als erwartet. So konnten niedrige Rohstoffkosten den Rückgang der Verkaufspreise beim Strom etwas ausgleichen. Zudem machten sich einige Sondererträge positiv bemerkbar, so dass die Sparte statt bislang mit einem deutlichen Gewinnrückgang nun mit einem stabilen Ergebnis in diesem Jahr rechnet.

In den ersten drei Quartalen lag das Betriebsergebnis aus der konventionellen Stromerzeugung auch dank eines Sparprogrammes bei 435 Millionen Euro und damit um sieben Prozent über dem Vorjahr. Mit den Gewinnen früherer Zeiten ist das aber nicht zu vergleichen.

Krebber betonte, er wolle den Konzernanteil für den Atomfonds möglichst schnell zahlen. Für rund 35 Prozent des geforderten Betrags hat RWE aber noch keine Rücklagen gebildet. Dabei handelt es sich um die sogenannte Risikoprämie, mit der sich der Staat für mögliche Kostensteigerungen bei der Atommüllentsorgung wappnen möchte. Wie RWE das finanziert, werde derzeit geprüft, erklärte Krebber. Spielräume hat RWE durch den Innogy-Börsengang gewonnen, der dem Mutterkonzern rund 2,6 Milliarden Euro in die Kassen brachte.

Mitteilung RWE

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

VW-Betriebsratschef will Emder Werk ausgelastet sehen
Stadtgeländewagen werden immer beliebter - vor allem Limousinen geraten unter Druck. Das merkt auch der Branchenriese Volkswagen. Betriebsratschef Osterloh sorgt sich um …
VW-Betriebsratschef will Emder Werk ausgelastet sehen
Ratingagenturen stufen Kreditwürdigkeit der Türkei herab
Die Türkei steckt in einer Finanzkrise. Die könnte sich verschärfen nach nochmals schlechteren Noten maßgeblicher Bonitätswächter. Was wiederum Einfluss auf die Kosten …
Ratingagenturen stufen Kreditwürdigkeit der Türkei herab
Griechenland-Hilfen: EU-Kommissar zieht kritische Bilanz
Brüssel (dpa) - Kurz vor dem Ende der Euro-Rettungsprogramme für Griechenland hat EU-Kommissar Pierre Moscovici Kritik an der Rolle der europäischen Institutionen …
Griechenland-Hilfen: EU-Kommissar zieht kritische Bilanz
Chinas Vormarsch: Staatssekretär für europäische Allianzen
Chinesische Investoren greifen zunehmend nach deutschen Hightech-Firmen - der Bund will nun genauer hinschauen. Wirtschafts-Staatssekretär Bareiß sagt, warum und wie …
Chinas Vormarsch: Staatssekretär für europäische Allianzen

Kommentare