Abwarten und T-Online halten

- München - Wenn ein Unternehmen geschluckt wird, fühlen sich seine Aktionäre oft wehrlos. Sie können gezwungen werden, ihre Anteile herzugeben, ohne beim Preis mitreden zu dürfen. Am besten haben in solchen Fällen oft die Anleger abgeschnitten, die nicht das erstbeste Angebot angenommen haben, erinnern Aktionärsschützer. Das gilt wohl auch für den Fall T-Online.

<P>Die Deutsche Telekom will das Tochter-Unternehmen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres von der Börse nehmen und in den Gesamtkonzern eingliedern. T-Online als selbstständiges Unternehmen wird dann nicht mehr existieren - ebenso wie seine Aktien.<BR>Die Verschmelzung</P><P>Voraussetzung dafür ist, dass die Deutsche Telekom mit T-Online einen Verschmelzungsvertrag schließt. Dazu benötigt sie eine 75-prozentige Mehrheit der Stimmen auf der Hauptversammlung von T-Online. Derzeit hält die Telekom 73,93 Prozent der T-Online-Anteile. Aktionärsschützer und Banken sind sich sicher, dass die Telekom die 75-Prozent-Hürde überspringen wird. Dafür hat sie auch ein freiwilliges Kaufangebot vorgelegt.<BR><BR>Das freiwillige Angebot</P><P>Voraussichtlich wird die Telekom ab November und bis Ende Januar den T-Online-Aktionären per Brief vorschlagen, ihre Papiere für 8,99 Euro pro Stück zu kaufen. Dieser Preis liegt um zwei Cent über dem Durchschnittskurs der vorangegangenen sechs Monate und bietet den Aktionären damit eine vergleichsweise geringe "Prämie". Gestern notierte die T-Online-Aktie zwischenzeitlich bei 9,24 Euro. Viele Anleger rechnen also damit, dass sich mit den T-Online-Papieren mehr verdienen lässt als 8,99 Euro. Der Vorteil des Telekom-Angebots: Es fallen keine Bank-Gebühren an, wie ein Konzernsprecher erklärte. Für Kleinaktionäre, die ihre T-Online-Anteile jetzt verkaufen wollen, lohnt sich die Annahme des Telekom-Angebots also, wenn der Verkauf an der Börse abzüglich der Bankgebühren nicht mehr als 8,99 Euro pro Papier einbringt. Aktionärsschützer raten aber, jetzt noch nicht zu verkaufen. Sie rechnen damit, dass es ein besseres Angebot geben wird.<BR><BR>Das Pflichtangebot</P><P>Schließt die Telekom mit T-Online einen Verschmelzungsvertrag, muss sie den Aktionären des Internet-Unternehmens ein Pflichtangebot unterbreiten. Dessen Höhe legen Wirtschaftsprüfer auf Basis des "Ertragswertes" fest. Zwar hat die Telekom verbreiten lassen, dass ihr Wirtschaftsprüfer KPMG eine niedrigere Bewertung als 8,99 Euro für möglich halte. An der Börse wird jedoch das Gegenteil unterstellt, wie die Kursentwicklung zeigt. Das Pflichtangebot wird nicht in Bargeld, sondern in Aktien erfolgen. Die T-Online-Papiere werden also in Anteile der Deutschen Telekom getauscht. Das Tauschverhältnis wird nach Telekom-Auskunft mit Bekanntgabe des Pflichtangebots frühestens im Januar veröffentlicht. "Das Pflichtangebot ist im Gegensatz zum freiwilligen Angebot gerichtlich über ein Spruchverfahren überprüfbar", erklärt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).<BR><BR>Das Spruchverfahren</P><P>Halte man das Pflichtangebot der Telekom für ungenügend, leite bei Bedarf auch die DSW ein "Spruchverfahren" ein. Dabei legt ein Gericht ein faires Angebot an die Aktionäre fest. Und das kann sich für die Anteilseigner lohnen. Der Aktionärsschützer verweist auf das Beispiel Siemens-Nixdorf. Damals bot Siemens für sechs Nixdorf-Anteile eine Aktie des Gesamtkonzerns. Nach dem Gerichtsbeschluss gab es schon für 4,3 Nixdorf-Anteile ein Siemens-Papier. Für das Spruchverfahren müsse man mit einer Dauer von zwei Jahren rechnen. In der Zwischenzeit kann die Telekom die Verschmelzung trotzdem vollziehen. T-Online-Aktien werden dann - auch gegen den Willen der Anleger - aus den Depots gelöscht und entsprechend dem Pflichtangebot Telekom-Papiere eingebucht. "Aber wenn das Gericht eine Aufbesserung beschließt, bekommen Aktionäre diese auch über die Dauer des Verfahrens verzinst", erläutert Kurz.<BR><BR></P>

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