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Die Industrie wünschen sich eine Abwrackprämie für Elektrogeräte.

Regierung ist dagegen

Abwrackprämie für Elektrogeräte gefordert

Essen - Im Ausland war eine Abwrackprämie für alte Kühlschränke und andere Stromfresser ein Erfolg. Die Bundesregierung lehnt den Wunsch der Industrie jedoch ab.

Die Forderung von Herstellern und Verbraucherschützern nach einer „Abwrackprämie“ für alte Kühlschränke oder Waschmaschinen kommt bei der Bundesregierung nicht gut an. „Wir unterstützen solche Vorschläge nicht“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums am Mittwoch in Berlin. Alte Kühlschränke oder Gefrierschränke gehören zu den größten Stromfressern in Deutschlands Küchen. Eine Prämie für Altgeräte gab es bereits in Österreich und anderen Ländern.

Seit dem Erfolg der Abwrackprämie für alte Autos wird auch in Deutschland immer wieder auch über einen Kaufanreiz für neue Elektrogeräte diskutiert, mit denen sich der Stromverbrauch der Haushalte verringern ließe. In Deutschland gebe es 30 Millionen Haushaltsgeräte, die älter sind als 14 Jahre, sagte der Geschäftsführer von Robert Bosch Hausgeräte, Harald Friedrich, den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe (Mittwoch). „Es wäre sicher eine Chance, wenn sich die Politik zu einer Abwrackprämie für alte Hausgeräte entscheiden würde.“

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) wolle aber keine neuen Subventions-Tatbestände schaffen, entgegnete seine Sprecherin. Auch aus dem Haus von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hieß es, die Überlegungen der Elektroindustrie würden nicht geteilt.

Verbraucherschützer halten die Abwrackprämie hingegen für sinnvoll. In Österreich und anderen Ländern habe eine „Trennungsprämie“ von bis zu 100 Euro für den Kauf eines Neugeräts den Anteil der alten Geräte deutlich verringert, sagte die Energiereferentin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Frauke Rogalla. Auch in Dänemark und den Niederlanden habe es schon vor einigen Jahren derartige Projekte gegeben. „Die Programme müssen zeitlich befristet sein, damit sie einen Effekt haben und Hersteller die Programme nicht nutzen, um dauerhaft ihre Preise zu heben.“

Für die Hersteller wäre die Prämie wohl zumindest kurzfristig ein Umsatzschub: In Österreich steigerten sie die Verkaufszahlen mit Kühlgeräten während der ersten zwei Monate der Abwrackprämie Ende 2009 um zwölf Prozent, wie aus Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervorgeht.

Für die Verbraucher rechnet sich der Umstieg auf ein energieeffizientes Gerät allerdings erst nach Jahren. Eine 15 Jahre alte Kühl-Gefrier-Kombination verbraucht nach Worten des Bosch-Managers Friedrich im Schnitt rund 600 Kilowattstunden Strom im Jahr, ein modernes Gerät liege bei etwa 150 Kilowattstunden. „Also können Verbraucher locker bei den Stromkosten deutlich mehr als 100 Euro im Jahr einsparen.“ Wenn die Anschaffung des Geräts 850 Euro koste, habe sich der Kauf innerhalb von acht bis neun Jahren komplett amortisiert. „Mit Abwrackprämie könnte der Zeitraum zusätzlich verkürzt werden.“ Verbraucherschützerin Rogalla hält diese Zahlen für realistisch.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Linken und die Grünen hatten sich bereits für Abwrackprämien für Haushaltsgeräte ausgesprochen. Schwierig ist aus Sicht von Rogalla allerdings die praktische Umsetzung. „Wichtig ist dabei, dass Altgeräte nachweislich entsorgt werden und nicht zum Getränke-Kühlen im Partykeller verwendet werden.“

dpa

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