Acht Euro Zusatzbeitrag für Krankenkassen

Berlin - Auf Millionen gesetzlich Krankenversicherte kommen Zusatzkosten zu. Jetzt gibt es konkrete Zahlen zur Höhe des Beitrags.

Lesen Sie auch:

Verbraucherzentrale und AOK gegen Zusatzbelastung für Patienten 

Etwa zehn Millionen gesetzlich Krankenversicherte müssen in den kommenden Wochen zum ersten Mal einen monatlichen Zusatzbeitrag von acht Euro bezahlen, hat das "Hamburger Abendblatt" erfahren. Die Anträge von vier Kassen liegen beim Bundesversicherungsamt, wie ein Sprecher bestätigte. Bis zum Ende des Jahres werden voraussichtlich neun von zehn Kassen Zusatzbeiträge verlangen. "Das ist politisch so gewollt", hieß es in Kassenkreisen.

Mit dem Gesundheitsfonds wurde ein Einheitsbeitrag zur Krankenversicherung eingeführt (14,9 Prozent), sodass diejenigen Kassen Zusatzbeiträge verlangen können, die mit dem Geld aus dem Fonds nicht auskommen. Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, sagte, die Zusatzbeiträge träfen diejenigen, die durch Rentennullrunden und Lohneinbußen ohnehin weniger Geld hätten.

Rösler: "Wollen ein faires System"

Die zusätzlichen Zahlungen machen nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die umstrittenen Gesundheitspauschalen nötig. Ausgerechnet Menschen mit geringem Einkommen bekämen nun Zusatzbeiträge am stärksten zu spüren, weil es keinen Sozialausgleich gebe, sagte Rösler am Donnerstag im Bundestag. “Wir wollen ein faires System“, versicherte er. Dazu gehörten vom Einkommen unabhängige Beiträge, also Kopfpauschalen - aber nie ohne Ausgleich für sozial Schwächere. SPD-Fraktionsvize Elke Ferner hielt Rösler entgegen: “Es bedeutet eine Umverteilung von unten nach oben.“

Kathrin Vogler von den Linken sagte: “Damit treiben sie die Spaltung der Gesellschaft voran.“ Birgitt Bender von den Grünen hielt Rösler vor, die Zusatzprämien als Vorläufer der geplanten Pauschalen billigend in Kauf zu nehmen: “Die Krokodilstränen über Zusatzbeiträge glaubt Ihnen niemand.“ Ferner und Bender sagten, es gebe Sonderkonditionen einer privaten Krankenversicherung für FDP-Mitglieder. “Was Sie machen, ist Klientelpolitik in Reinkultur.“ Die FDP verfolge die Interessen der privaten Krankenversicherung. Entsprechende Gruppenverträge seinen ein normaler Vorgang, entgegnete FDP-Experte Heinz Lanfermann. In der Debatte geht es um ein Angebot der Privatversicherung DKV.

mm/dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Volkswagen senkt Vorstandsgehälter 
Wolfsburg - Nach dem Abgasskandal und heftiger Kritik an der Manager-Entlohnung deckelt Volkswagen die Vorstandsgehälter.
Volkswagen senkt Vorstandsgehälter 
Diese Kartoffelsalate könnten Metallteile enthalten
Braunschweig/Oberdolling - Die Firma Amberger im bayerischen Oberdolling hat Kartoffelsalate der Marken Dolli und Feldmühle zurückgerufen.
Diese Kartoffelsalate könnten Metallteile enthalten
Stada-Großaktionär AOC dringt auf maximalen Verkaufspreis
Bad Vilbel (dpa) - Der Stada-Großaktionär AOC pocht im Bieterrennen um den Pharmakonzern auf einen möglichst hohen Preis. "Wir verlangen, dass sowohl der Vorstand als …
Stada-Großaktionär AOC dringt auf maximalen Verkaufspreis
Betriebsräte wollen vor Opel-Verkauf Allianz schmieden
Rüsselsheim - Die Betriebsräte von Opel/Vauxhall wollen gemeinsam mit ihren Kollegen bei PSA für gute Bedingungen bei der geplanten Übernahme des Auto-Herstellers …
Betriebsräte wollen vor Opel-Verkauf Allianz schmieden

Kommentare