Achtung! Datenklau am Ticketautomaten

München - Vorsicht, wenn Sie Bahntickets am Automaten kaufen! Gauner könnten ihre Geheimnummer ausspähen. EC-Kartenbetrüger werden nämlich immer raffinierter. Wir erklären den Trick.

Inzwischen manipulieren sie nicht mehr nur Geldautomaten, sondern auch die neuen Generationen von Fahrkarten-Automaten der Deutschen Bahn. Nach Betrügereien im Norden Deutschlands gibt es inzwischen auch in Oberschleißheim einen ersten Verdachtsfall. Die DB warnt zwar vor diesen Gaunern, allerdings nur die eigenen Beschäftigten in der Mitarbeiter-Zeitung DB-Welt.

Das sogenannte „Skimming“, das Ausspähen von Geheimnummern und Daten der Magnetstreifen von EC-Karten, greift immer mehr um sich. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden 2010 an Geldautomaten die Geheimnummern von fast 200 000 Bankkunden abgefischt, viele auch im Freistaat. Bayerns LKA-Sprecher Ludwig Waldinger zur tz: „Im Vorjahr wurden 91 Automaten manipuliert, davon 44 in München. Insgesamt gibt es 3624 Opfer.“ Die Diebe übertrugen die Daten auf Karten-Rohlinge und plünderten damit und mit der PIN-Nummer die Konten der Kunden, die es oft erst am Kontoauszug merkten.

Inzwischen haben die Gangster-Banden begriffen, dass sich die neuen Fahrkarten-Automaten der Deutschen Bahn genauso gut zum Abfischen von Kontodaten eignen. Wer nämlich sein Ticket mit der EC-Karte bezahlt, muss die Karte einlesen und seine Pin-Nummer angeben.

In Nordrhein-Westfalen wurden seit März bereits zehn DB-Verkaufsgeräte mit Vorsatzgeräten an den Kartenschlitzen und einer Minikamera an der Eingabetastatur manipuliert. Inzwischen werden die ersten Fälle aus Rheinland-Pfalz gemeldet. Und in Oberschleißheim bei München gab es, so Bundespolizei-Sprecher Berti Habelt, einen ersten Verdachtsfall. Eine Frau aus Erlangen vermutete, dass der Automat manipuliert gewesen sein könnte, da nach dem Fahrkartenkauf mit ihren EC-Karten-Daten eingekauft wurde. Die Bundespolizei konnte aber keine Manipulation mehr feststellen.

LKA-Sprecher Waldinger ist jedoch fest überzeugt: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Geräte in Bayern manipuliert werden.“ Seit die ersten Fälle bekannt wurden, kontrollieren zwar Sicherheitskräfte von Bahn und Bundespolizei regelmäßig die 7000 DB-Fahrkarten-Automaten. Vorsicht ist allerdings besser. LKA-Sprecher Waldinger rät: „Achten Sie darauf, ob am Kartenschlitz ein Vorsatzgerät angebracht ist, und rütteln Sie am Kartenschacht. Prüfen Sie, ob ein zweites Tastenfeld aufgesetzt ist oder ein kleines Loch mit einer Minikamera vorhanden ist, und verdecken Sie mit der zweiten Hand die Eingabe der Geheimzahl.“

Die DB-Welt bringt’s für die Mitarbeiter auf den Punkt: „Gucken, rütteln, abschirmen.“

Karl-Heinz Dix

Rubriklistenbild: © dpa

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