Ackermann hat es eilig, doch das Gericht nimmt sich Zeit

- Düsseldorf - Schnellen Schrittes eilt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in den Gerichtssaal L 111 des Düsseldorfer Landgerichts - flankiert von seinen Anwälten, den Professoren Eberhard Kempf und Klaus Volk. Es ist die vierte Verhandlungswoche im Mannesmann-Prozess. Ackermann hat eine umfangreiche Stellungnahme angekündigt.

<P>Eine Stunde lang erklärt sich der Top-Banker zu den Untreue-Vorwürfen. Schnell ist klar: Wer eine Kehrtwende in der Prozess-Strategie des Spitzen-Managers erwartet hat, muss enttäuscht sein. Der Schweizer nutzt seine Chance, Punkte zu machen, nachdem er sich beim Prozessauftakt mit seiner Siegergeste ein Scherbengericht eingehandelt hatte.<BR><BR>Ackermann bleibt bei seiner Linie, beteuert in den entscheidenden Punkten seine Unschuld und wiederholt die Beweggründe seiner Entscheidungen. Weder habe er die Gewerkschafter im Aufsichtsrat darüber belogen, wer die Millionenprämien zahlen soll, noch habe er Bedenken an der Höhe gehabt - die habe er bis heute nicht.<BR><BR>Auch der damalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel habe ihm gesagt, dass die Prämien zwar großzügig seien, er letztlich damit aber keine Probleme habe. Wie der Gewerkschafter Zwickel hätten auch die anderen Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat des Mannesmann-Konzerns keine Bedenken geäußert.<BR><BR>Bei den Abläufen der turbulenten Tage der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone wird Ackermann etwas genauer. Er berichtet, dass er erst im März 2000 von den Bedenken der Wirtschaftsprüfer wegen der Prämienhöhe erfahren hat. In den meisten Punkten entspricht das seiner Stellungnahme im Ermittlungsverfahren, die Richterin Brigitte Koppenhöfer gleich zusätzlich verliest.<BR>"Der schnellste Weg raus aus dem Verfahren ist der beste", hat Ackermanns Verteidigung bereits beim Beginn des Verfahrens gesagt und klar gemacht: An einer Geldbuße würde es nicht scheitern, wenn damit die Einstellung des Verfahrens erreicht werden könnte.<BR><BR>Der Zeitdruck des Bankchefs macht kaum Eindruck. Die Sprach-Sachverständigen machen klar, dass sich die Justiz vom Tagesgeschäft des Angeklagten nicht hetzen lassen. "One-man-show - Solovorstellung" - so übersetzen die Damen jeden der bislang viel verwendeten englischen Begriffe. Auch der kürzeste Weg könnte für Ackermann noch sehr lang werden. <BR></P>

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