Ackermann überrascht mit Charmeoffensive in der Heimat

- Frankfurt - Der Terminkalender von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist selbst im Sommerloch prall gefüllt. Normalerweise pendelt der Schweizer Manager zwischen New York, London und Frankfurt, und für eine Besprechung mit einem wichtigen Geschäftskunden lässt er auch schon mal ein Treffen mit der Queen sausen.

Umso überraschender ist es, dass sich Ackermann in den vergangenen Wochen bei Anlässen der Öffentlichkeit stellte, die er auch dem Deutschland-Chef der Bank, Jürgen Fitschen, hätte überlassen können. Mit demonstrativem Charme will Ackermann, der im Herbst wieder im Mannesmann-Prozess vor Gericht steht, nach Einschätzung von Branchenkennern im lange vernachlässigten Heimatmarkt Pluspunkte sammeln.

Gestern stellte er zusammen mit Ingrid Matthäus-Maier, der künftigen Vorstandssprecherin der KfW-Bankengruppe, ein gemeinsames Programm für Förderkredite an den Mittelstand vor - kein Thema, das in der Welt der global tätigen Investmentbanken wie der Deutschen Bank als besonders aufregend gilt. Vor einigen Jahren verschreckte die Deutsche Bank mittelständische Kunden mit arrogantem Auftreten und Ankündigungen, das nicht immer lukrative Kreditgeschäft in der Fläche zurückzufahren. Zwar besann sie sich bald darauf eines Besseren, hinterließ aber viel verbrannte Erde. Ackermanns "deutliches Bekenntnis zum Mittelstand und zum Standort Deutschland, unserem Heimatmarkt" bei der Veranstaltung am Mittwoch sollte daher wohl wie Balsam wirken - auch wenn er beteuerte, seine persönliche Anwesenheit sei als Geste an Matthäus-Maier zu verstehen.

Vor wenigen Wochen hatte die Deutsche Bank sich einer weiteren Zielgruppe zugewandt, die sie in der Vergangenheit öfter vor den Kopf gestoßen hatte: deutsche Privatkunden. Mit der Übernahme der Berliner Bank zeigte das Geldinstitut, dass den vielen Ankündigungen von Akquisitionen im eigenen Land auch Taten folgen.

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