Ackermann unter Druck

- Frankfurt/Main - Die Aufregung hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gerade noch gefehlt: In der kommenden Woche muss der Manager als Angeklagter im Mannesmann-Prozess das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) über sich ergehen lassen - mit ungewissem Ausgang. Und ausgerechnet wenige Tage vorher prasselt wieder einmal ein Hagel der Kritik auf die Deutsche Bank ein. Die historisch einmalige Schließung des offenen Immobilienfonds "grundbesitz-invest" verärgert Hunderttausende von Anlegern, die auf eine vermeintlich sichere Rendite gesetzt hatten.

Die Bank ist Aufruhr gewohnt. Erst im Frühjahr schockte Ackermann die Öffentlichkeit mit seiner Bekräftigung, trotz hoher Gewinne an einem massiven Stellenabbau festzuhalten. Einige Tage zuvor war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf mehr als fünf Millionen geklettert. Ein Heer von Kritikern aus Politik und Wirtschaft fiel über die Deutsche Bank her und warf ihr vor, sozial unverantwortlich zu handeln. Andere Ökonomen verwiesen darauf, dass Unternehmen gegenüber ihren Eigentümern, den Aktionären, verpflichtet sind, den Gewinn zu maximieren.

Auch im aktuellen Fall sind die Meinungen geteilt: Die einen werfen Ackermann und seinen Untergebenen vor, die notwendigen Wertberichtigungen im dem Immobilienfonds verschleppt zu haben, um ihm nicht noch in diesem Jahr unter die Arme greifen zu müssen. Andere Großbanken rangen sich zu solchen Stützungsmaßnahmen durch. Für Ackermann aber hätte dann das ehrgeizige Ziel einer Rendite von 25 Prozent auf dem Spiel gestanden, heißt es. Diese Zahl hat sich der Schweizer Manager persönlich auf die Fahnen geschrieben.

Andere Stimmen verweisen darauf, dass Anleger das Risiko von Verlusten bei Investments nicht auf ihre Bank abwälzen können. "Jeder Investor weiß, dass auch Immobilien Wertschwankungen unterliegen", meint Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus fairsearch. Die Deutsche Bank stecke also in einem Dilemma: Entweder sie bürdet die Abschreibungen auf den Immobilienbestand ihres Fonds den Aktionären auf, indem sie die Verluste aus der eigenen Kasse ausgleicht und dadurch weniger Gewinn erzielt - oder sie nimmt bewusst einen Imageschaden in Kauf.

Denn bisher haben sich Fondsgesellschaften meist nicht getraut, ihre Immobilienfonds ins Minus rutschen zu lassen. Schließlich habe man Bürogebäude und Grundstücke als "Betongold" angepriesen, sagt Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). "Diese Fonds sind unter dem Siegel der besonders sicheren Anlage vermarktet worden", wirft sie den Banken vor. Als Folge des Zusammenbruchs der Aktienmärkte Anfang des Jahrzehnts verzeichneten offene Immobilienfonds enorme Mittelzuflüsse. Erst nach dem Skandal um einen Sparkassen-Fonds der Deka-Bank im vergangenen Jahr traten die Investoren den Rückzug an.

Ausbaden müssen die Entschlüsse der Deutschen Bank in jedem Fall die Filialen vor Ort: Dort fordern empörte Anleger in diesen Tagen ihr Geld aus dem Fonds zurück, das sie zum Beispiel für den Kauf der eigenen vier Wände vor dem Wegfall der Eigenheimzulage einsetzen wollten. Sie sollen nun während der Aussetzung des Fonds mit einem Übergangskredit vertröstet werden.

Die merkwürdigen Umstände der Fondsschließung könnten indes nicht nur ein juristisches Nachspiel haben - auch für das Top-Management der Deutschen Bank sind Konsequenzen nicht ausgeschlossen. Der Chef der Vermögensverwaltungssparte, Kevin Parker, soll nach Einschätzungen von Branchenexperten nicht besonders fest im Sattel sitzen. Bei der Deka-Bank musste auf Grund der Krise des Immobilienfonds sogar der Vorstandschef seinen Hut nehmen. Unterstützt von eine ungünstigen Urteil des BGH im Mannesmann-Prozess könnte demnach in der kommenden Woche auch die Diskussion um Ackermann wieder aufflammen.

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