Ackermann-Prozess: Macht und Moral noch einmal vor Gericht

- Karlsruhe - Vor 15 Monaten hat das Landgericht Düsseldorf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und fünf Mitangeklagte im spektakulärsten Wirtschaftsprozess der Bundesrepublik, dem Mannesmann-Verfahren, vom Vorwurf der Untreue freigesprochen. Doch ab Donnerstag kommender Woche steht der Freispruch für Deutschlands mächtigsten Banker im Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof auf dem Prüfstand. Und mit ihm noch einmal Macht und Moral der deutschen Wirtschaftselite.

Es geht um einen Wirtschaftskrimi der Superlative: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und die Bundesanwaltschaft werfen Ackermann, dem früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser und vier weiteren Angeklagten vor, die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone genutzt zu haben, um Managern und Ex-Vorständen Abfindungen in Höhe von rund 60 Millionen Euro zuzuschieben. Die Angeklagten bestreiten dies entschieden.

Schon das Verfahren gab seltene Einblicke in das Denken der deutschen Top-Manager. Bereits am ersten Tag brachte Ackermann die Öffentlichkeit gegen sich auf, als er vor der Verlesung der Anklage lächelnd mit dem Victory-Zeichen im Gerichtssaal posierte.

Angeklagte verblüfften durch Selbstbewusstsein

Auch sonst präsentierten sich die Manager im Saal L 111 des Düsseldorfer Landgerichts ohne erkennbare Selbstzweifel und verblüfften immer wieder durch ihre schier grenzenlose Wertschätzung für das eigene Tun. Etwa wenn Ackermann die von ihm gebilligte 16-Millionen-Euro-Prämie für Esser als "außergewöhnliche Anerkennung für eine außergewöhnliche Leistung" rechtfertigte. Oder wenn er schimpfte, Deutschland sei "das einzige Land, wo die, die erfolgreich Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen". Esser selbst rechnete dem Gericht vor, dass seine Erfolgsprämie eigentlich noch deutlich höher hätte ausfallen müssen. Schließlich habe er den Mannesmann-Aktionären Gewinne in Milliardenhöhe verschafft.

Das Landgericht musste juristisches Neuland betreten. Nie zuvor waren die in den 90er-Jahren üblich gewordenen Millionenprämien für Topmanager juristisch überprüft worden. Der international beachtete Prozess endete mit Freisprüchen für Ackermann, Esser und Co. Das Gericht sah nach sechsmonatiger Verhandlung keine Hinweise für Käuflichkeit oder Untreue. Doch galten sie schnell als "Freisprüche zweiter Klasse".

Denn die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer stellte gleichzeitig die aktienrechtlichen Verfehlungen der Topmanager an den Pranger. Ackermanns Rechtfertigung der Millionenprämien für Esser wischte das Gericht einfach vom Tisch. Der Mannesmann-Chef habe keinerlei Anrecht auf die umstrittene Millionenprämie, befand Koppenhöfer. Schließlich sei er als Manager gut bezahlt worden - auch dafür, um mit unerwarteten Situationen wie einer Übernahmeschlacht fertig zu werden.

Für das Gericht stand damals fest: Ackermann und die anderen Mitglieder des Aufsichtsratspräsidiums haben mit ihrem "Ja" zu den Millionenprämien ihren Handlungs- und Ermessensspielraum überschritten. Allerdings sei dies strafrechtlich nicht relevant.

Für den Durchschnittsbürger ist dies angesichts der Millionensummen schwer verständlich, doch auch juristisch nicht unumstritten. Bei dem Verfahren vor dem Bundesgerichtshof geht es um die Bewertung der vom Landgericht Düsseldorf ermittelten Fakten. Die Karlsruher Richter könnten das Urteil nutzen, um endlich Klarheit zu schaffen über den Straftatbestand der Untreue, der auch unter Juristen als ausgesprochen unpräzise gilt, und über die Rechtmäßigkeit nachträglich bewilligter Millionenprämien für Topmanager.

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