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Josef Ackermann (r.) und sein Nachfolger Anshu Jain.

Ackermanns Abschied: Versuch der Harmonie

Frankfurt/Main - Deutsche-Bank-Chef Ackermann ist eine Botschaft vor dem Abschied ganz wichtig: Er klebt nicht an seinem Stuhl. Ausgerechnet jetzt läuft es im Bereich des künftigen Vorstandschefs Jain nicht rund.

Sie sitzen noch weit auseinander, aber der alte und der neue starke Mann der Deutschen Bank bemühen sich um Harmonie. Bei der Bilanzvorlage am Donnerstag gehört die Bühne Josef Ackermann - doch auch seinen obersten Investmentbanker und Nachfolger Anshu Jain lässt der Schweizer bereits ungewohnt häufig zu Wort kommen. Dass es ausgerechnet in Jains Bereich zuletzt nicht rund lief, will Ackermann dem Inder öffentlich nicht anlasten. Dafür seien allein die Märkte verantwortlich. Die Top-Manager präsentieren sich als Team - das Gezerre um die Ackermann-Nachfolge soll vergessen sein.

“Wir sind zehn Jahre ein stabiles Team gewesen“, sagt Ackermann. Dass ausgerechnet Jains Sparte im vergangenen Jahr statt der erwarteten 6,4 Milliarden Euro vor Steuern lediglich 2,9 Milliarden Euro verdiente, habe “mit Herrn Jain nichts zu tun“. Ackermann betont: “Ich habe ihn mehr als jeden anderen in der Bank jahrelang gefördert.“

Doch Beobachter der Bilanzvorstellung registrieren aufmerksam, wie ausführlich Ackermann ausgerechnet auf die schlechten Zahlen des Investmentbankings eingeht. “Wenn man über Zahlen spricht, dann soll man doch sagen, wo es gut ist und wo es nicht so gut ist“, sagt der Noch-Chef. “Andere Bereiche haben eben ihre Ziele erfüllt.“

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Jain hält - in geschliffenem Englisch - dagegen: Der Vorstandschef (CEO) sei immer ein kritischer Begleiter gewesen, nichts im Investmentbanking sei ohne Ackermanns Zustimmung entschieden worden. In der Sparte verdient die Bank etwa mit Beratung bei Übernahmen und dem Anleihegeschäft. Spekulationen über ein Zerwürfnis des alten mit den neuen Chefs nennt Jain “substanzlos“.

Mit der kommenden Doppelspitze - neben Jain (48) führt Deutschland-Chef Jürgen Fitschen (63) ab Juni die Bank - hat sich Ackermann nach eigenen Angaben inzwischen angefreundet: “Wir haben eine Lösung gefunden, die die Bedürfnisse der Bank gut abdeckt, indem beide Seiten des Geschäfts repräsentiert sind.“ Ackermann hatte sich zunächst für Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber als Nachfolger stark gemacht - damit wolle er Jain verhindern, hieß es. Nun betont Ackermann: “Selbst unter einem anderen CEO hätte Anshu Jain immer eine ganz prominente Rolle gespielt, da können Sie sicher sein.“

Der scheidende Vorstandsvorsitzende räumt jedoch auch Fehler bei der Regelung seiner Nachfolge ein. “Um die Bank zu befrieden“ habe er sich im Sommer zunächst bereiterklärt, den Vorsitz des Aufsichtsrates zu übernehmen. “Ich habe mich in die Pflicht nehmen lassen, was vielleicht nicht so klug war.“ Wenig später machte er einen Rückzieher.

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Zum Abschied bemüht sich Ackermann um geordnete Verhältnisse. “Ich will meinen Nachfolgern ein intaktes Haus übergeben.“ Er beschleunigte in den vergangenen Monaten Abschreibungen und legte Millionen für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten beiseite. Dafür nimmt er in Kauf, dass seine letzte Bilanz bei weitem nicht so glänzend ausfällt wie erhofft. “Ich hätte nicht ruhig schlafen können, wenn ich wüsste, dass dann in einem Jahr noch einmal eine größere Korrektur kommen würde“, sagt Ackermann.

Eine “Ackermann-Show“, das stellt der Schweizer klar, werde es zu seinem Abschied nicht geben. Er habe auch nicht vor, nach dem 31. Mai seinen Nachfolgern in die Quere zu kommen: “Ich freue mich, auch mal - mit dann 64 Jahren - sagen zu können: Ich tue auch mal gar nichts.“

dpa

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