Ackermanns Image-Debakel: "Das Bild der kalten Bank"

- München - Die Deutsche Bank ist erneut in ein schiefes Licht geraten. Nach dem umstrittenen Siegeszeichen von Bank-Chef Josef Ackermann vor Gericht und den "peanuts", als die einst Vorgänger Hilmar Kopper Handwerkerrechnungen in Millionenhöhe titulierte, hat die Bank erneut wenig Fingerspitzengefühl bewiesen. Der Branchenprimus verkündete für 2004 einen starken Gewinnanstieg auf 2,5 Milliarden Euro und zugleich den Abbau von weiteren 6400 Stellen. Diese Ankündigung hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

<P>Wasser auf die Mühlen der Kritiker ist die Wortschöpfung "smartsourcing", mit der Ackermann die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer bezeichnete. "Der Begriff ist noch schlimmer als ,peanuts, das ist zynisch", sagt der Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser und Begründer der sprachkritischen Aktion "Unwort des Jahres".<BR><BR>Seit dem Jahr 2000 hat sich der Branchenprimus Deutsche Bank von 24 000 seiner ehemals knapp 89 800 Mitarbeiter getrennt - und steht mit dem Stellenabbau keineswegs alleine da. Auch die anderen Großbanken wie Commerzbank, HypoVereinsbank und Dresdner Bank haben in den vergangenen Jahren massiv Stellen abgebaut. "Die Deutsche Bank steht jetzt als Prügelknabe da für all die anderen, die das Gleiche gemacht haben", sagt der Bankenprofessor Wolfgang Gehrke - dabei bleibe ihr aber gar nichts anderes übrig, wenn sie sich international behaupten wolle.<BR><BR>Nach Ansicht von Fachleuten hat die Deutsche Bank den Stellenabbau ungeschickt präsentiert und zu wenig erklärt. "Da wäre eine Verständniskampagne notwendig gewesen", kritisiert Werbefachmann Norbert Lindhof, Geschäftsführer der Agentur Young & Rubicam. Der Ansehensverlust in der Öffentlichkeit sei enorm. "Bei den Bürgern setzt sich das Bild der kalten, kühlen Bank fest."<BR><BR>Dieses Image verbreite die Bank auch bewusst mit ihrer Werbung. So wirbt die Bank um neue Privatkunden mit einem Schachbrett, einem Diagramm des Ertragswinkels und dem Slogan "Leistung aus Leidenschaft". "Da fehlt jegliches Sympathie-Potenzial", kritisiert Lothar Leonhard, ehemaliger Chef des Gesamtverbandes der Werbeagenturen.<BR><BR>Trotz aller Kritik sind sich die Branchenexperten aber einig: Der Stellenabbau dürfte das Geschäft der Bank stärken. "Das Image bei den Aktionären und Analysten hat keineswegs gelitten", sagt Bankenprofessor Gehrke. Am Freitag war die Bank erneut einer der Gewinner an der Börse und ging mit einem Kursplus von 2,50 Prozent aus dem Handel. <BR><BR></P>

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