"Ackermanns Pläne eine Unverschämtheit"

- Berlin - Die Ankündigung der Deutschen Bank, trotz eines Gewinnanstieges um 87 Prozent weltweit 6400 Stellen zu streichen, hat parteiübergreifend Empörung ausgelöst.

SPD-Fraktionsvize Michael Müller sagte der "Berliner Zeitung" (Freitagausgabe), "die Gewinnerwartungen so zu Lasten der Arbeitsplätze zu überziehen, ist eine Unverschämtheit." Auch von den Grünen und vom Arbeitnehmerflügel der CDU wurde scharfe Kritik laut. <P>"Dies ist ein Zeichen, dass die Wirtschaftsethik verloren zu gehen droht", sagte der derzeitige Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, der Bundestagsabgeordnete Gerald Weiß, der Zeitung. "Die alleinige Rendite-Orientierung ist ein Ausweis kurzfristigen Denkens. Man muss für die Menschen und mit den Menschen wirtschaften."</P><P>Insgesamt werden 6400 Stellen gekappt, während gleichzeitig 1200 neue in Niedriglohnländern entstehen. Die Deutsche Bank nennt diesen Prozess "Smartsourcing". Ungefähr 2700 Stellenstreichungen entfallen auf das Investmentbanking und die Vermögensverwaltung. Für Deutschland hatte das Geldinstitut im Dezember den Abbau von 2300 Stellen in Verwaltung und Abwicklung und die Einrichtung 450 neuer Arbeitsplätze im Kunden- und Produktgeschäft angekündigt.</P><P>Das teilte das größte deutsche Finanzhaus in Frankfurt mit. Der Jahresüberschuss kletterte 2004 trotz hoher Rückstellungen für Abfindungen um 87 Prozent auf 2,546 Milliarden Euro, den höchsten Stand seit dem Boomjahr 2000. </P><P>Entrüstung über die Pläne der Bank gab es auch bei den Finanzexperten von Rot-Grün. Der SPD-Politiker Joachim Poß sprach von einem Kurs, der moralisch wie volkswirtschaftlich fragwürdig sei. Kurzfristige steuerpolitische Maßnahmen schloss er allerdings aus. Zunächst müsse man in der Europäischen Union zu einer einheitlichen Bemessungsgrundlage für die Unternehmensbesteuerung kommen.</P><P>Die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel sagte, gerade angesichts der neuesten Arbeitslosenstatistik, nach der inzwischen in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen arbeitslos sind, sei die Ankündigung der Deutschen Bank höchst problematisch. "Die Politik kann aber auf unternehmerische Entscheidungen nicht viel Einfluss nehmen", fügte sie hinzu. Der niedersächsische SPD-Vorsitzende Wolfgang Jüttner beklagte ebenfalls die Machtlosigkeit der Politik. "Derartiges Unternehmens-Verhalten dokumentiert, was für kleine Brötchen die Politik mitunter backt", sagte er.</P>

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