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Der ADAC spaltet sich auf. Doch die Pannenhilfe bleibt – wie immer schon – Angelegenheit des Vereins.

Teurer Skandal

ADAC: 50 Millionen Euro für die Krisenbewältigung

München – Zwei Tage nach dem beschlossenen Reformprogramm des ADAC legte der Automobilclub am Montag seine Bilanz für das Geschäftsjahr 2015 vor.

Die Zahlen zeigen: Die vor gut zwei Jahren mit dem Skandal um gefälschte Ergebnisse bei der Leserwahl zum „Gelben Engel“ ausgelöste Krise des Clubs ist teuer geworden. Wären dem Verein nicht 17 Millionen an Ausschüttungen über die Beteiligungsgesellschaft BuW zugeflossen, wäre er in die roten Zahlen gerutscht. Doch so stand unter dem Strich ein Überschuss von vier Millionen Euro.

Allein 10 Millionen, so schätzt der bisherige kommissarische Finanzchef des Clubs, Thomas Burkhardt, sind im letzten Jahr zu Bewältigung des Skandals ausgegeben worden. Im laufenden und im folgenden Jahr kommen wegen der Umsetzung des Reformprogramms noch einmal 40 Millionen Euro dazu. Das sind zusammengenommen 50 Millionen Euro für die Krisenbewältigung. Dauerhaft dürften für den ADAC nach Burkhardts Schätzung jährlich zwischen acht und 13 Millionen Euro an laufenden Mehrkosten anfallen, weil nach der Neuaufstellung eine Reihe von Synergien und Steuervorteilen verloren gehen. Außerdem leidet der ADAC unter dem niedrigen Zinsniveau. Er musste laut Burkhardt im abgelaufenenen Geschäftsjahr 42,3 Millionen Euro für Pensionsverpflichtungen zurückstellen. Der zinsbedingte Anteil, so Burkhardt, „beläuft sich dabei auf rund 34 Millionen Euro“.

An höhere Mitgliedsbeiträge denkt beim ADAC derzeit aber niemand. Sie sind, wie Club-Präsident August Markl erläuterte auch – zumindest bis 2018 aus rechtlichen Gründen ausgeschlossen.

Burkhardt spricht von einem wirtschaftlich stabilen Kurs des ADAC. Auch in Zukunft verdient der Club an seinen wirtschaftlichen Aktivitäten. Diese sind dann nicht mehr in einer GmbH gebündelt, sondern in einer SE, einer europäischen Aktiengesellschaft.

Allerdings muss der Verein sich das Geld mit einem Dritten teilen: Das ist die Stiftung, in der der Automobilclub künftig seine gemeinnützigen Aktivitäten weiterführt, etwa die Luftrettung und die Verkehrserziehung. Diese Stiftung bekommt 10 Prozent der Ausschüttungen aus der SE, mindestens aber fünf Millionen Euro im Jahr. Der Rest steht dem Verein zur Verfügung – falls es ihn in dieser Form noch gibt.

Denn das Registergericht München wird voraussichtlich erst 2017 darüber entscheiden, ob der ADAC nach der Trennung der Vereinsaktivitäten von seinen Geschäften als Unternehmen ein Idealverein bleiben kann, der eine Reihe von Steuervorteilen gegenüber einem normalen Unternehmen genießt. Die Chancen – glauben die Verantwortlichen – sind durch die am Wochenende beschlossene Drei-Säulen-Struktur gestiegen.

Auch in der öffentlichen Wahrnehmung scheint der angeschlagenen Automobilclub inzwischen über dem Berg zu sein. Nach einem Rückgang der Mitgliederzahlen im Skandaljahr 2014 hat der Club bereits im letzten Jahr um fast 230 000 auf über 19 Millionen zugelegt. Noch schneller soll es im laufenden Jahr vorangehen – um 280 000 Mitglieder.

Auch für das eigene Selbstverständnis will der ADAC sich künftig breiter aufstellen, wie Präsident August Markl erläutert. Der bisherige Autoclub will künftig als Mobilitätsdienstleister auftreten. Das Auto spiele dabei weiterhin eine wichtige Rolle, werde aber ergänzt durch Bahn, Schiff, Flugzeug und, wie Markl sagt, die Fortbewegung „durch der Kraft der eigenen Beine“.

Martin Prem

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