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Möglicherweise steigen die ADAC-Beiträge. An der neuen Münchner Zentrale liegt das aber nicht, wird versichert. Sie wird durch kommerzielle Töchter finanziert.

ADAC: Tankstellen-Daten für Autofahrer

München - Der ADAC will die geplante Meldestelle für die Mineralölwirtschaft für Verbraucher öffnen. Jeder Autofahrer soll so per Internet die billigste Tankstelle finden.

An Selbstbewusstsein mangelt es dem Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) nicht. „Wir haben 18 Millionen Mitglieder, mehr als alle politischen Parteien Deutschlands zusammen“, betont Peter Meyer. Netto 581 000 Autofahrer haben sich 2011 dem Club neu angeschlossen, so viele wie seit der deutschen Wiedervereinigung nicht mehr. In unsicheren Zeiten wie heute habe eine vertrauenswürdige Institution, die sich für Verbraucher engagiert, eben Zulauf, sagen die Autofahrerlobbyisten.

Diese Macht will der ADAC jetzt beim Aufbau der von der Bundesregierung soeben beschlossenen Markttransparenzstelle für die Mineralölwirtschaft einsetzen und sie zu einem Verbraucherinstrument machen. Damit begibt sich der weltweit zweitgrößte Automobilclub nach dem US-amerikanischen AAA auf Konfrontationskurs mit der Politik. Denn die Stelle ist als Unterbehörde des Bundeskartellamts geplant, die nur für den internen Gebrauch tagesaktuelle Daten über Spritpreise an Tankstellen und Einkaufspreise an den Erdölmärkten sammelt und vergleicht, um so besser verbotenen Preisabsprachen oder ungerechtfertigten Erhöhungen auf die Spur zu kommen.

„Das hat nur Sinn, wenn jeder jederzeit auf die Daten zugreifen kann“, widerspricht Meyer. Wenn Autofahrer die regional vorsortierten Daten per Smartphone abrufen können, würden sie die billigste Tankstelle in der Umgebung ansteuern und so Geld sparen. Blieben die Daten dagegen geheim, drohten von den Mineralölkonzernen auf den Spritpreis aufgeschlagene Kosten der Datensammlung das Vorhaben für Autofahrer kontraproduktiv zu machen.

Der ADAC stützt sich bei seiner Forderung auf eine Studie des Düsseldorfer Universitätsprofessors Justus Haucap. Der Volkswirtschaftsprofessor hat untersucht, wie sich wettbewerbswidrige Praktiken bei Tankstellen kontrollieren lassen und ob es dafür international ein Vorbild gibt. Fazit: Es gibt zwar weltweit diverse Systeme, um der Erdölwirtschaft auf die Finger zu sehen. Empfehlenswert ist aber keines. Um wirklich etwas zu bewegen und gerechte Preise an Tankstellen zu erzwingen, bedürfe es einer neuen Idee. Deren zentrale Elemente sind laut der Studie eine Markttransparenzstelle im Zusammenspiel mit einem öffentlichen Online-Preisinformationssystem. Von einer so erreichten, neuen Transparenz könnten freie Tankstellen profitieren, die ihren Sprit vielfach billiger verkaufen als große Mineralölkonzerne und so für echten Wettbewerb sorgen, argumentiert Meyer.

Mit seinem Engagement für Autofahrer will der Club bis 2020 die Schwelle von 20 Millionen Mitgliedern in Deutschland überschreiten. Zugleich ist für 2014 ein neues Beitragsmodell in Planung, das eine Preiserhöhung mit sich bringen könnte. Beschlossen ist aber noch nichts, sagte Meyer. Derzeit kostet eine Normalmitgliedschaft jährlich 44,50 Euro. Letztmals erhöht hat der ADAC seine Beiträge im Jahr 2004. Die neue Zentrale, die der Club soeben in München bezogen hat, sei aber nicht aus Mitgliedsbeiträgen finanziert worden, betont Meyer. Das 22-stöckige Gebäude hat 325 Millionen Euro gekostet. Die Mittel dazu aufgebracht haben die Wirtschaftstöchter des ADAC. Der Club betreibt nebenher einen Konzern, der Versicherungen, Reisen und anderes verkauft. Im Gesamtkonzern setzte der ADAC bei zuletzt 133 Millionen Euro Gewinn 1,8 Milliarden Euro um und beschäftigt 8400 Mitarbeiter.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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