Ringt um Vertrauen: ADAC-Präsident August Markl. Der Club will sich wetterfest machen gegen das Fehlverhalten Einzelner. Dazu sollen auch die Regionalclubs an die kurze Leine genommen werden. foto: dpa

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ADAC will sich komplett neu erfinden

München - Der ADAC leidet unter seiner Imagekrise. Erstmals seit Jahren sinkt die Zahl der Mitglieder. Der Konzernteil des ADAC muss den Club bezuschussen.

112 Jahre alt ist der ADAC und fast jeder vierte Deutsche ist Mitglied der Autofahrerlobby. Aber das Krisenjahr 2014 war das erste, an das sich auch langjährige Funktionäre erinnern können, in dem der Club nicht mehr gewachsen ist. Knapp 19 000 seiner 19 Millionen Mitglieder habe der ADAC per saldo voriges Jahr verloren, bedauerte dessen Präsident August Markl in München zur Bilanzvorlage. Das klingt moderat, angesichts der von massiven Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ ausgelösten Krise des Clubs. Aber spätestens auf den zweiten Blick offenbaren sich die wahren Folgen. In Vorjahren ist der ADAC nämlich stets um eine halbe Million Mitglieder gewachsen.

2015 deutet sich Stagnation an. Bis Ende Mai ist die Zahl der Mitglieder um netto 1120 gestiegen, statt einiger hunderttausend neuer Mitglieder noch im Mai 2013 und anderer Jahre zuvor. So gerechnet sind die Mitgliederverluste spürbar. Dazu kommen Krisenkosten anderer Art, wie die ADAC-Funktionäre des Vereins und die Manager des angeschlossenen ADAC-Konzerns einräumen mussten. Die Clubzeitschrift Motorwelt hat krisenbedingt Anzeigen verloren. Bei den Wirtschaftstöchtern, die vor allem Versicherungen verkaufen, sind 2014 mehr Verträge gekündigt als neu geschlossen worden. ADAC-Sponsoren haben Gelder zurückgezogen.

Dazu kommen Kosten für Rechtsberater und für den Rückzug aus Geschäften, die man nicht mehr für angemessen hält. So hat der ADAC Pläne für eine Werkstattkette begraben und sich vom ADAC-Postbus verabschiedet. Nun trennt sich der Club von seiner Luxemburger Tochter Arisa, deren Kunden vor allem Autohersteller waren. Ob Arisa verkauft oder abgewickelt wird, sei noch offen, sagte ADAC-Geschäftsführerin Marion Ebentheuer. Arisa steht für knapp ein Zehntel des ADAC-Versicherungsgeschäfts. 16 Millionen Euro mussten die ADAC-Wirtschaftstöchter für 2014 an den Verein überweisen, um sicherzustellen, dass die Kosten für die Krisenbewältigung und die laufende Reform des Clubs nicht den Mitgliedern aufgebürdet werden. „Wir haben dafür keinen Euro aus Mitgliederbeiträgen verwendet“, betont Ebentheuer.

Markl indessen sieht seine Reform für Vertrauen auf gutem Weg. In den kommenden Tagen werde der Club eine Compliance-Chefin vorstellen, die erste überhaupt in der Geschichte des Clubs. Den Namen wollte Markl noch nicht verraten. Es sei eine aus der Wirtschaft abgeworbene Managerin, die künftig über Einhaltung von Recht und Gesetz im gesamten ADAC wacht. Auch alle 18 Regionalclubs erkennen die neue Rechtsaufsicht an und unterwerfen sich ihr, betonte Markl. Aus diesem Kreis gab es bis zuletzt Widerstände. Gleiches gilt für das interne Hinweisgebersystem, eine Hotline, bei der ADAC-Mitarbeiter anonym interne Verstöße anzeigen können. Dieses Instrument werde nicht abgeschafft und der neuen Compliance-Chefin unterstellt, stellte Markl klar. Der ADAC werde wetterfest gemacht, gegen das Fehlverhalten Einzelner. Rechtlich gesehen werden damit die mit einigem Eigenleben ausgestatteten Regionalclubs an die Leine genommen, auch wenn es diesen teils nicht gefällt.

Das gilt auch für den Regionalclub Nordbayern, der sich in den letzten Jahren mit auffällig vielen Skandalen hervorgetan hat. Aktuell laufen dort Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Nürnberg. Sie hegt den Verdacht, dass unter anderem die Gattinen von ADAC-Funktionären unrechtmäßig Zuwendungen auf Kosten des Clubs erhalten haben. Künftig wäre so etwas auch ein Fall für die neue Compliance-Chefin, sagte Markl. Ob der ADAC sich wirklich neu erfindet und Mängel im System abstellt, wird nächstes Jahr das Registergericht München beurteilen. Das prüft den steuermindernden Vereinsstatus des Clubs und es will seinen Entscheid von der ADAC-Reform abhängig machen. Das ist dann die entscheidende Nagelprobe für die Zukunft des Clubs.

von Thomas Magenheim-Hörmann 

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