Adidas-Chef Kasper Rorsted sieht Licht am Ende des Tunnels. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild
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Adidas-Chef Kasper Rorsted sieht Licht am Ende des Tunnels. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild

"Licht am Ende des Tunnels"

Adidas erwartet nach Verlusten wieder bessere Zeiten

Kein Fußball, kein Handball, Fitnessstudios und Läden zu: Adidas hat schwere Monate hinter sich. Das Schlimmste hält der Hersteller mit den drei Streifen für überwunden. Jetzt soll es wieder Gewinne geben.

Herzogenaurach (dpa) - Nach millionenschweren Verlusten im Zuge der Corona-Krise blickt der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller Adidas zuversichtlich auf die nächsten Monate.

"Wir sind noch nicht zurück zur Normalität, aber es ist Licht am Ende des Tunnels", sagte Vorstandschef Kasper Rorsted. Der Herzogenauracher Konzern rechnet im dritten Quartal wieder mit Gewinnen, einen Ausblick auf das Gesamtjahr traut er sich wegen der Unsicherheiten in der momentanen Situation jedoch nicht zu.

Zum Höhepunkt der Corona-Krise im April hatten nach Angaben des Unternehmens mehr als 70 Prozent aller Adidas-Läden weltweit geschlossen. Inzwischen sei der Großteil wieder geöffnet, in China stabilisierten sich die Umsätze. Diese Entwicklungen machen der Adidas AG Hoffnung: "Wir erwarten eine signifikante Erholung im dritten Quartal", sagte Rorsted.

Im dritten Quartal strebt der Konzern deshalb wieder Gewinne an: Er rechnet mit einem Betriebsgewinn zwischen 600 und 700 Millionen Euro. Das wäre rund eine Milliarde Euro mehr als im verlustreichen zweiten Quartal. Die Prognose steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass sich die Pandemie nicht wieder verschärft. Der Umsatz werde in den drei Monaten bis Ende September nicht mehr so stark einbrechen wie zuletzt, so die Prognose.

Im zweiten Quartal war der Umsatz um 35 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro abgesackt. Besonders stark waren die Rückgänge in Südamerika und den Schwellenländern. Starkes Wachstum verzeichnete Adidas im Online-Handel, konnte damit aber die Verluste im stationären Handel nicht ausgleichen. Im fortgeführten Geschäft stand unter dem Strich ein Verlust von 306 Millionen Euro - nach einem Gewinn von 462 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Auch die Konkurrenten Puma und Nike hatten zuletzt rote Zahlen geschrieben.

Bei Adidas geht jetzt der Blick nach vorn: Das zweite Quartal dürfte der Tiefpunkt gewesen sein, sagte Rorsted. Noch nie habe es so eine dramatische Entwicklung von einem zum anderen Quartal gegeben. Das erste Halbjahr schloss Adidas - abgemildert von einem leichten Gewinn im ersten Quartal - mit einem Verlust von 286 Millionen Euro ab.

Neben der Bewältigung der Corona-Krise beschäftigt den fränkischen Hersteller mit den drei Streifen weiterhin die Rassismus-Debatte in den USA. Nach der Kritik von Mitarbeitern an einer als rassistisch empfundenen Äußerung musste jüngst Personalchefin Karen Parkin zurücktreten. "Wir sind nicht glücklich mit der aktuellen Situation", gab Rorsted zu. Das Unternehmen müsse mehr tun, um die Diversität zu fördern - gerade mit Blick auf die schwarze Bevölkerung in den USA.

In sehr persönlichen Gesprächen hätten ihn betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzählt, dass sie sich im Unternehmen nicht wohl fühlten. "Das war eine demütige Erfahrung für mich", sagte Rorsted. Adidas hatte Anfang Juni nach dem Aufflammen der Rassismus-Debatte angekündigt, die Rechte von Schwarzen und anderen ethnischen Minderheiten im Unternehmen besser zu berücksichtigen. Künftig müssen mindestens 30 Prozent aller Stellen bei Adidas in den USA mit Schwarzen oder aus Lateinamerika stammenden Menschen besetzt werden.

© dpa-infocom, dpa:200806-99-65678/3

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