Adidas peilt im "Megasportjahr" seine eigenen Rekorde an

- Athen - Herbert Hainer ist ein guter Vorstandsvorsitzender, er kommt über jeden Umweg auf seine Firma zu sprechen. Wie es dem Chef des Sportartikelherstellers Adidas denn so gefalle in der Olympiastadt Athen? "Gut", sagt er, "heiß ist mir halt - obwohl ich ein Climate Cool-Shirt trage."

<P>"Ein Megasportjahr" nennt Hainer 2004. Fußball-Europameisterschaft plus Olympische Sommerspiele, für jemanden, der mit Sport sein Geld macht, gibt es keine schönere Kombination. Die Herzogenauracher haben in Athen den "Politia Tennis Club" in einer villenreichen Gegend abseits des Stadtkerns angemietet. "Das ist unser Olympisches Dorf", sagt Herbert Hainer. Im edlen Sommer-Ambiente empfängt und bewirtet Adidas seine Gäste. Am liebsten die Sportler. Und mit Blick auf den eleganten Pool der Anlage feiert die Firma ihre Zahlen. "Den EM-Ball ,Roteiro' haben wir 1,3 Millionen Mal verkauft, er hat seinen WM-Vorgänger, den ,Fevernova' übertroffen", vermeldet der Vorstandsvorsitzende. 1,3 Millionen Replicas von Nationaltrikots wurden durch die Europameisterschaft abgesetzt. Es fügte sich, dass Adidas nach dem EM-Ausscheiden seiner Frontmänner Zinedine Zidane (Frankreich), David Beckham (England), Michael Ballack (Deutschland) und Roy Makaay (Niederlande) noch ein ganzes Team im Rennen hatte: Griechenland, den Überraschungs-Champion.</P><P>"Die Griechen haben wir erst kurz vor dem Turnier unter Vertrag genommen", erzählt Hainer. Zufällig hatte er auf einem Flug Hellas-Trainer Otto Rehhagel getroffen, "und der hat mir sehr emotional und überzeugend nahe gebracht, wie stark seine Mannschaft sein wird." In Griechenland konnte Adidas seinen Umsatz sogleich um mehr als 10 Prozent steigern, 100 000 Mal wurde das Trikot des Europameisters bestellt. Hainer: "Unser Umsatz im Fußball beträgt 850 Millionen Euro." Im ersten Halbjahr hat Adidas beim Verkauf um fünf, beim Nettoumsatz um 39 Prozent zugelegt. "Es wird das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte", sagt Herbert Hainer. "Wenn es so weitergeht, kann ich jetzt schon versprechen, dass wir die Dividende von letztem Jahr erhöhen und unsere Aktionäre stärker am Erfolg beteiligen werden."</P><P>Schließlich ist Adidas auch bei Olympia dick im Geschäft. In 26 der 32 Disziplinen trifft man auf die drei Streifen, 22 Olympia-Teams werden komplett ausgestattet. Und Adidas hat Einzelverträge abgeschlossen: Mit Australiens Schwimmstar Ian Thorpe, dem äthiopischen Läufer Haile Gebrselassie und Kim Collins, dem 100-m-Weltmeister aus der Mini-Nation St. Kitts and Nevis. "Wir wollen den schnellsten Mann der Welt noch schneller machen und haben für ihn einen Schuh mit Mittelfußrampe entwickelt", sagt Hainer. Mit Thorpe zusammen erfand man einen neuen Schwimmanzug ("Jet concept"), der auf die Turbulenzen des Wassers reagieren soll: "Die Verbesserung wird bis zu drei Prozent betragen."</P><P>Griechische Leitfigur der Adidas-Kampagne ist der Gewichtheber Pyrros Dimas. Mit ihm hat man im Lande großflächig plakatiert. Slogan: "Impossible is lifting your country" - "Unmöglich ist es, dein Land zu heben." Ansonsten gilt, dass alles möglich ist. Das Motto hat sogar der Fremdsprachen unkundige Otto Rehhagel verinnerlicht, der Adidas natürlich auch die Aufwartung machte im "Politia Tennis Club". Ob Österreich am Mittwoch Deutschland wird besiegen können? "Die Österreicher", sagt er, "werden laufen wie noch nie. Und: Impossible is nothing." Unmöglich ist nichts.</P>

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