Adidas, Puma und Co. zielen auf Unsportliche

- München - Die Sportartikelbranche hat mit stagnierenden Märkten zu kämpfen. Sind echte Innovationen oder modischer Lifestyle der Schlüssel zu neuem Wachstum? Zur Branchenschau Ispo geben Topmanager Einblick in ihre Strategien. Die Konsumgütermärkte schlagen hierzulande immer neue Kapriolen. Handys gibt es beim Kaffeeröster und das Trendsportgerät Inlineskates wird über den Spielwarenhandel verkauft, während die Sportartikelbranche unter dem Schlagwort "Lifestyle" verstärkt in Modebereiche eindringt.

<P>Letzteres begründet sich darin, dass traditionelle Sportartikelmärkte seit Jahren global stagnieren und die Branche neue Wachstumsfelder sucht, wie ein Lifestyle-Kongress zur Münchner Messe Ispo zeigte.<BR><BR>"Nur jeder Dritte treibt Sport, Mode ist für jeden", brachte Sportmanagement- Professor Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln die Strategie von Adidas, Puma und Co. dabei auf einen Nenner. Nur über Lifestyle-Produkte könne die traditionelle Branche auch die anderen zwei Drittel der Menschheit als Kunden ansprechen. Dem Verdacht, dass die ehemals von Schweiß und Athletik geprägte Zunft ihre Produkte nur noch auf Optik und Design trimme, um die in der Modewelt üblichen hohen Preise verlangen zu können, wollten sich die versammelten Manager von Adidas, der finnischen Amer-Gruppe oder des US-Skiherstellers Spyder nicht aussetzen. "Das Produkt kommt zuerst", versicherte Spyder-Gründer David Jacobs. Lifestyle sei immer sekundär.<BR><BR>Retrolook wurde auf dem Flohmarkt erfunden<BR><BR>Auf alle Fälle gelte das bei Sportgeräten. Bei Sportbekleidung wollte der US-Manager seine Hand nicht mehr ins Feuer legen. "Es gibt Produkte für aktive Sportler und solche für Leute, die sich sportlich geben wollen", umschrieb sein Kollege vom US-Bekleidungshersteller VF Corporation, Karl-Heinz Salzburger, die Strategie. Die Branche verkaufe nicht nur Produkte, sondern auch ideelle Werte. Zum Beispiel gebe es 50-Jährige, die wie 20-Jährige wirken wollen. Die werden heutzutage von Sportartiklern gern beliefert. Lifestyle-Produkte seien aber keine Erfolgsgarantie, warnte Adidas-Chef Herbert Hainer. Das zeige das Schicksal des US-Sportartiklers LA Gear, der vor einigen Jahren sehr angesagt war und mittlerweile von der Bildfläche verschwunden ist. "Mode ist volatil", sagte der Adidas-Chef. Nur darauf zu setzen, sei riskant. Adidas verkaufe deshalb zu etwa vier Fünfteln traditionelle Sportartikel und zu einem Fünftel Lifestyle-Produkte. Modetrends würden auch nicht immer von den Herstellern gemacht, beteuerte Hainer.<BR><BR>Impulsgeber seien oft Kunden, wie beim Retrolook, der Sportschuhe und anderes im Design der 50er-Jahre zum Renner gemacht hat. Dem Bedürfnis danach sind die Trendscouts der Sportartikelfirmen auf die Spur gekommen, weil sie beobachtet haben, wie auf Flohmärkten immer mehr alte Adidas-Jacken oder Puma-Schuhe über den Tresen gingen.</P>

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