Adidas verkürzt den Abstand zu Nike

- Herzogenaurach - Europas größter Sportartikelkonzern Adidas greift mit der Übernahme des Konkurrenten Reebok die Vormachtstellung von Weltmarktführer Nike im wichtigen US-Markt an. Mit der bisher größten Akquisition der Firmengeschichte verkürzt Adidas den Abstand zu Nike damit deutlich.

Adidas zahlt für die Übernahme 3,1 Milliarden Euro. Adidas-Chef Herbert Hainer sprach von einem strategischen Meilenstein. "Dies ist eine einmalige Chance, zwei der angesehensten und bekanntesten Unternehmen der weltweiten Sportartikelindustrie zusammenzuführen", sagte er am Mittwoch in Herzogenaurach.

Der neue Adidas-Konzern kommt auf Basis der Zahlen vom vergangenen Jahr auf einen Umsatz von knapp 9 Milliarden Euro. Die Erlöse von Weltmarktführer Nike lagen im Geschäftsjahr 2004/05 (31. Mai) bei umgerechnet 11,2 Milliarden Euro. "Zusammen werden wir unsere geografische Reichweite vor allem in Nordamerika ausbauen und ein Sortiment anbieten, das ein noch breiteres Spektrum von Kunden abdeckt", sagte Hainer.

In Nordamerika, dem größten Sportartikelmarkt der Welt, wird sich der Konzernumsatz den Angaben zufolge auf umgerechnet 3,1 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Die Gruppe werde über eine stärkere Präsenz bei wichtigen amerikanischen Sportarten sowie in den US-Sportligen verfügen.

Der Kaufpreis soll durch eine Kombination von Fremd- und Eigenkapital finanziert werden. Die Adidas-Salomon AG erwirbt alle ausstehenden Reebok-Aktien für 59 Dollar je Anteil in bar. Dies bedeutet einen Aufschlag von 34,2 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre von Reebok sowie der Freigabe durch die Kartellbehörden. Sie soll im ersten Halbjahr 2006 abgeschlossen werden.

Die Übernahme sei kein Risiko, sagte Hainer. "Zusammen mit Reebok werden wir unsere Position in der Sportartikelindustrie deutlich verbessern, unsere Finanzkraft stärken und den Shareholder Value erhöhen." Der Zusammenschluss ermögliche Kosteneinsparungen in Höhe von jährlich 125 Millionen Euro. Finanzchef Robin Stalker sagte, mittelfristig werde nach der Übernahme ein Gewinnwachstum in zweistelliger Höhe erwartet. Der Umsatz solle im mittleren bis hohen einstelligen Bereich zulegen.

Stalker rechnet bei der Genehmigung der Übernahme nicht mit Auflagen durch die Kartellbehörden. Adidas-Aktien drehten am Mittwoch nach anfänglich deutlichen Kursverlusten zwischenzeitlich mit 5,41 Prozent auf 155,50 Euro kräftig ins Plus und standen an der DAX- Spitze.

Reebok-Firmengründer und Vorstandschef Paul Fireman, der im Amt bleiben soll, erklärte, Adidas sei der perfekte Partner. Reebok soll seinen Namen und seinen Hauptsitz in Canton (Massachusetts/USA) behalten. Man rechne nicht mit einer wesentlichen Reduzierung der Belegschaft, hieß es. Reebok beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter.

Im zweiten Quartal steigerte Adidas den Gewinn um 52 Prozent auf 67 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 8,2 Prozent auf 1,516 Milliarden Euro zu. Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Gewinn um 48 Prozent auf 171 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um knapp 10 Prozent auf 3,189 Milliarden Euro. Die Zahlen sind bereinigt um Erlöse der Winter- und Outdoor-Sparte Salomon, die an die finnische Amer Sports verkauft wurde. Das Geschäft soll im September abgeschlossen werden.

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