Adlon-Affäre: Ernst Welteke lässt nun auch die Bundesbank zahlen

- Berlin - Es war der 1. April und deshalb glaubte man zunächst an einen schlechten Scherz, als im Bundesfinanzministerium drei anonyme Briefe eingingen. Die Absender jedoch waren bestens informiert: Detailliert listeten sie auf, wie der Präsident der Bundesbank vor zwei Jahren das Silvesterfest verbrachte. 7661 Euro und 20 Cent kostete der Aufenthalt im Berliner Luxushotel Adlon, den sich Ernst Welteke auf Rechnung der Dresdner Bank leistete. Obwohl sich der Staatsbanker keiner Schuld bewusst ist, bemüht er sich um Schadensbegrenzung - mit zweifelhaftem Erfolg.

<P>Zur Einführung des Euro-Bargelds hatte die Dresdner Bank am 31. Dezember 2001 nach Berlin geladen. Welteke meldete Gattin Bettina und seinen dreijährigen Sohn an. Weil angeblich ein Babysitter fehlte, stießen auch noch sein 25-jähriger Sohn und dessen Freundin hinzu. Die Hotelrechnung, die der "Spiegel" abdruckt, weist vier Übernachtungen in der Suite "Pariser Platz" aus (1717 Euro pro Nacht) sowie zwei Übernachtungen in einem "Deluxe Einzelzimmer" und eine "Verlängerungsnacht". Hinzu gekommen seien Restaurant- und Barbesuche, Telefon- und Garagenkosten, Zimmerservice und Bügeldienst.<BR><BR>Außer Spesen nichts gewesen? Der Bundesbank-Präsident, der mit einem Jahressalär von 350 000 Euro ein Drittel mehr verdient als der Kanzler, sieht sich zu Unrecht in der Kritik. "Wenn ich an der Veranstaltung eines Dritten teilnehme und der mich dazu einlädt, dann gehe ich auch davon aus, dass von dem die Kosten übernommen werden", sagte Welteke am Rande des EU-Finanzgipfels in Irland. "Und wenn ich schon an Silvester nach Berlin fahre, dann dehne ich das doch ein bisschen aus." Erst gestern ist sich der Banker bewusst geworden, dass er die Geduld der Regierung überdehnt. Die angekündigte Pressekonferenz sagte er ab, versprach dafür in einer acht Sätze kurzen Erklärung Wiedergutmachung: Der "dienstliche Anteil der Veranstaltung" - zwei Tage im Hotel - würde nachträglich von der Bundesbank bezahlt, "die verbleibenden zwei Übernachtungen werden von mir persönlich übernommen".<BR><BR>Ob sich Welteke damit wird aus der Affäre ziehen können, ist fraglich. Laut Beamtenrecht ist es untersagt, Zuwendungen von Unternehmen anzunehmen (siehe Kasten). Private Einladungen von Geschäftspartnern müssen zudem als "geldwerter Vorteil" versteuert werden. Nach unbestätigten Angaben prüft die Staatsanwaltschaft Frankfurt bereits die Aufnahme eines Verfahrens. Welteke aber "denkt nicht an Rücktritt", wie er seinen Sprecher Wolfgang Mörke mitteilen ließ.<BR><BR>Ermittelt wird wohl auch gegen die anonymen Informanten: Die Dresdner Bank hatte die Hotelkosten als Betriebsausgaben absetzen wollen, Frankfurter Finanzbeamte sollen die brisante Rechnung an die Öffentlichkeit lanciert haben. Ein Nachspiel droht auch im Bundestag: Die Opposition will SPD-Mann Welteke vor den Finanzausschuss zitieren. <BR><BR>Auch SPD-General Klaus Uwe Benneter will das Auftreten des Bank-Präsidenten "nicht billigen". Den Kanzler erreicht die Nachricht von der Hotel-Affäre in der Toskana, wo Gerhard Schröder im Kreise seiner Familie Geburtstag feiern will. Offiziell darf man sich in der rot-grünen Regierung noch kein Urteil bilden: Die Bundesbank sei unabhängig, betont ein Sprecher des Finanzministeriums. "Die Aufklärung des Sachverhalts ist ausschließlich Angelegenheit der Bank." Hans Eichel jedoch hat bereits deutlich gemacht, was er von den Eskapaden seines Parteifreunds hält. Im Kabinett, so der Minister, wäre "ein vergleichbares Verhalten nicht möglich". <BR><BR></P><P> </P>

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