AEG-Streik vor Ausweitung

- Nürnberg/Stockholm - Im AEG-Konflikt hat die IG Metall am Donnerstag mit dem Aufbau einer dritten Streikfront begonnen. Nach der Urabstimmung soll der Streik am Montag auf die AEG-Ersatzteilsparte im fränkischen Rothenburg ob der Tauber ausgedehnt werden. Bei der seit Mittwoch laufenden Abstimmung in der Distriparts GmbH habe sich am Donnerstag eine "hohe Beteiligung" abgezeichnet, sagte der Nürnberger IG-Metall-Streikleiter Jürgen Wechsler. "Wir werden ein sehr gutes Ergebnis bekommen", fügte er hinzu.

Wechsler warf Electrolux vor, mit einer Behinderung der Urabstimmung die Auseinandersetzung bewusst verschärfen zu wollen. Ein Konzernsprecher widersprach dieser Darstellung. "Das ist eine bedauerliche Eskalation. Es fehlt uns dafür jedes Verständnis", teilte Electrolux-Pressesprecher Anders Edholm in Stockholm mit. Electrolux habe in keiner Weise Druck auf Mitarbeiter ausgeübt.

Entgegen den bisherigen Gepflogenheiten ließen die Streikposten am Donnerstag rund 20 Besucher von Fremdfirmen und der Post nicht mehr aufs Nürnberger Werksgelände. Wechsler forderte "die Hardliner bei Electrolux" auf, "zur Vernunft zu kommen". Wenn die Geschäftsführung von Distriparts die Mitarbeiter weiter unter Druck setze, werde die IG Metall "die Zügel anziehen".

Ein schnelles Ende des Streiks sei nicht zu erwarten. Die AEG-Beschäftigten könnten den Ausstand noch einige Wochen oder gar Monate durchhalten, zeigte sich Wechsler überzeugt. Auch die aktuell begonnene Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie schwäche die Kampfkraft der Gewerkschaft nicht. Im Gegenteil: Selbst nach einem Ergebnis für die 1700 von der Schließung ihres Werkes betroffenen AEG-Mitarbeiter könnte AEG die Rolle als Streikführer in der Tarifauseinandersetzung übernehmen.

Wechsler sagte, dass der Electrolux-Vertrieb in Deutschland seit der Schließungsankündigung einen Umsatz- und Auftragsrückgang von rund 40 Prozent habe hinnehmen müssen. Vor allem bei den höherwertigen Geräten habe der Konzern inzwischen enorme Lieferschwierigkeiten. Weder in Polen noch in Italien könnten die Produktionsausfälle aufgefangen werden.

Electrolux wies diese Darstellung zurück. Die bisherigen Auswirkungen des Nürnberger Streiks auf die Lieferfähigkeit des schwedischen Haushaltsgerätekonzerns seien "spürbar, aber begrenzt". Etwa 50 Prozent der bisherigen Nürnberger Produktion seien in verschiedene Betriebe in Italien ausgelagert worden.

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