AEG-Verhandlungen in der Sackgasse

- Nürnberg/Rothenburg o.d.T. - Im AEG-Konflikt stecken die Verhandlungen ungeachtet einer ersten leichten Annäherung weiterhin in der Sackgasse. Bei den Gesprächen über das existenzbedrohte AEG-Stammwerk Nürnberg zeigten sich am Mittwoch keinerlei Fortschritte. IG Metall und Arbeitgeber vertagten sich erneut ergebnislos auf Donnerstag nächster Woche.

Dagegen gab es bei den Gesprächen über die mittlerweile in den Konflikt einbezogenen AEG-Servicegesellschaften erstmals etwas Bewegung. Beide Seiten nannten das Treffen "gut und konstruktiv". Zugleich bahnt sich jedoch schon eine Ausweitung des Arbeitskampfes auch auf den AEG-Standort Rothenburg ob der Tauber an. Dort begann am Mittwoch in der Ersatzteil-Sparte die Urabstimmung über einen Streik.

Ohne Ergebnis gingen IG Metall und Arbeitgeber aus den Gesprächen über das seit 20. Januar bestreikte AEG-Hausgerätewerk. "Wir haben uns eine Denkpause bis zum Donnerstag nächster Woche verordnet", sagte IG Metall-Verhandlungsführer Werner Neugebauer. Er forderte Electrolux auf, bis dahin das Angebot nachzubessern. Dann könne man sich stärker aufeinander zu bewegen, "als es heute möglich war".

AEG-Verhandlungsführer Dieter Lange erklärte, es sei nicht sinnvoll, über Details zu reden, "wenn das Gesamtvolumen noch nicht steht". Die Vorstellungen klafften weit auseinander. Der Electrolux-Konzern hatte für die geplante Schließung der Hausgerätefabrik mit 1700 Beschäftigten Abfindungen und Qualifizierungsmaßnahmen im Volumen von 100 Millionen Euro angeboten. Die IG Metall fordert das Vierfache.

Dagegen sah Neugebauer "ein Stück Bewegung" in den Verhandlungen über die von Electrolux aus der AEG ausgegliederten Servicegesellschaften für Logistik, Ersatzteile, Vertrieb und Kundendienst. Die IG Metall will hier die Rückkehr in die Tarifbindung der Metall- und Elektroindustrie erreichen. In Electrolux-Verhandlungsführer Walter Koch sitze erstmals "jemand mit Entscheidungskompetenz" am Tisch, sagte Neugebauer.

Koch ist als Vorstandsmitglied von Electrolux Europa der bisher ranghöchste Manager, den der Konzern an den Verhandlungstisch entsandt hat. Er verteidigte die Ausgliederung der Dienstleister als unerlässlich, um die Arbeitsplätze zu sichern. Die Verhandlungen auf dieser Ebene sollen am Mittwoch (15. Februar) fortgesetzt werden.

Bei der Urabstimmung für die Electrolux- Ersatzteil-Sparte Distriparts Deutschland GmbH im fränkischen Rothenburg warfen sich IG Metall und Electrolux gegenseitig vor, unzulässig Druck auf die Beschäftigten auszuüben. Die IG Metall rief am Nachmittag zu einem Warnstreik auf. Neugebauer sagte, man halte sich für einen Arbeitskampf alle Optionen offen. Bei Distriparts arbeiten rund 200 Beschäftigte. Ein Streik dort hätte nach Angaben des Rothenburger AEG-Betriebsratsvorsitzenden Rainer Kretschmer zur Folge, dass binnen weniger Tage europaweit keine Ersatzteile für Electrolux-Geräte mehr zur Verfügung stünden.

Der Streik im Nürnberger AEG-Werk führt bereits zu Lieferschwierigkeiten bei Elektrogeräten der Marke. Das ergab eine dpa-Umfrage bei großen Elektro-Einzelhändlern. Technikmärkte wie MediaMarkt, Saturn oder MakroMarkt können danach in vielen Filialen keine AEG-Geschirrspüler, Wäschetrockner und Waschmaschinen mehr anbieten.

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