Ältere Autos jährlich zum TÜV?

München - Die EU-Kommission will ältere Autos jährlich zum TÜV schicken. In Deutschland ist dies bisher alle zwei Jahre Pflicht.

Außerdem will der aus Estland stammende Verkehrskommissar Siim Kallas Regeln für privat geführte Werkstätten festlegen, die solche Sicherheitstests machen. Das geht aus einem Gesetzentwurf vor, der gestern in Brüssel bekannt wurde. Heute will Kallas die Pläne offiziell vorstellen.

Der Entwurf des Gesetzes sieht für die meisten Neuwagen die erste Hauptuntersuchung nach vier Jahren vor, dann nach zwei Jahren die nächste und danach jährlich. Ab einem Kilometerstand von 160 000 soll die Prüfung grundsätzlich jedes Jahr fällig werden.

Der Automobilclub ADAC wehrte sich gegen die Pläne: „Jetzt will die EU-Kommission noch eins draufsetzen und die deutschen Autofahrer noch mehr zur Kasse bitten“, teilt der Verband mit. Kürzere Prüfintervalle führten nicht zu mehr Verkehrssicherheit. Technische Mängel seien nur für 0,5 Prozent der schweren Unfälle verantwortlich. Zudem wolle die EU-Kommission zwar das Prüfintervall vereinheitlichen, nicht aber den Prüfumfang, der in Deutschland schon jetzt auf einem sehr hohen Niveau sei. Einzige Profiteure seien also die diversen Prüforganisationen, denen durch die Reform ein sattes Zusatzgeschäft sicher sei, so der ADAC.

Die häufigeren Hauptuntersuchungen könnten vor allem sozial schwächere Besitzer belasten, fürchtet der SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug. „Wer fährt denn alte Autos? Leute, die nicht viel Geld haben“, sagt er. Das müsste der Gesetzgeber berücksichtigen.

Die EU-Kommission sieht das anders. Sie schätzt, dass mehr als 2000 Verkehrstote jährlich auf Europas Straßen technischen Mängeln zum Opfer fallen. Gemessen an Zahlen aus dem Jahr 2009 entspräche dies einem Anteil von mehr als fünf Prozent.

Der TÜV Süd begrüßte das Vorhaben. Es sei „richtig und nachvollziehbar“, die Prüffristen in den EU-Ländern zu vereinheitlichen.

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