Die Ängste der Deutschen: Wirtschaftliche Sorgen nehmen ab

Berlin - Die Terrorangst nimmt zu, ebenso die Angst vor Naturkatastrophen. Die wirtschaftlichen Sorgen dagegen nehmen eher ab. Und die Menschen in Bayern werden tendenziell von mehr Ängsten getrieben als der Bundesdurchschnitt. Wovor wir Deutschen uns fürchten, zeigen aktuelle Studien.

Keine andere Kategorie hat im Vergleich so zugelegt wie die der Angst vor Terrorismus. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie der R+V Versicherung, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Um neun Prozentpunkte stieg diese Furcht in Deutschland auf 50 Prozent - und das noch vor den in dieser Woche bekannt gewordenen Festnahmen der Terrorverdächtigen, denn die Umfrage fand zwischen Juni und Juli 2007 statt.

Befragt man die Bundesbürger jetzt zu diesem Thema, geben 76 Prozent an, sich vor Terror zu fürchten. Damit ist die Angst hierzulande so groß wie seit den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht mehr. Das geht aus einer ebenfalls gestern veröffentlichten Umfrage von Forsa hervor.

Kräftig zugelegt hat aber auch die Angst vor Naturkatastrophen, sie stieg um sieben Punkte auf 59 Prozent und rückte damit in der Gesamtwertung von Platz sechs auf den zweiten Platz vor.

Sorge Nummer 1 der Deutschen bleibt jedoch der Preisanstieg. Seit Einführung des Euro im Jahr 2002 beschäftigt dieses Thema die Menschen am meisten: 66 Prozent fürchten laut der R+V-Studie, noch mehr Geld für ihre Lebenshaltungskosten ausgeben zu müssen. Mit Platz drei und vier haben persönliche Sorgen an Bedeutung gewonnen. So haben 53 Prozent Angst davor, im Alter ein Pflegefall zu werden, und 51 Prozent, schwer zu erkranken. Dass Politiker mit den Problemen in Deutschland überfordert sind, glauben insgesamt 51 Prozent der Deutschen. Damit liegt diese Sorge auf Platz fünf der Angst-Skala. Am wenigsten Sorge bereitet ein mögliches Zerbrechen der Partnerschaft (19 Prozent).

Insgesamt gesehen nimmt das Angstniveau leicht ab, nur bei der Generation über 60 ist die Angst vor der Zukunft leicht gestiegen. Allerdings liegt sie mit 43 Prozent unter dem Niveau der 20- bis 39-Jährigen, bei denen 45 Prozent ängstlich in die Zukunft blicken.

Am stärksten gesunken sind die wirtschaftlichen Sorgen. "Der Wirtschaftsaufschwung stimmt die Deutschen zuversichtlich", kommentiert die Präsentatorin der Studie, Rita Jakli, diese Tendenz. Um satte 16 Prozent fiel die Angst vor noch mehr Arbeitslosigkeit in Deutschland (45 Prozent), um 12 Prozent die vor einer schlechteren Wirtschaftslage (48 Prozent) und um vier Prozent die vor der eigenen Arbeitslosigkeit (47 Prozent).

Vor allem im Osten machen sich viel weniger Menschen Sorgen um die wirtschaftliche Lage als im Vorjahr. Die Angst vor einem Anstieg der Arbeitslosenquote sank hier um 23 Prozentpunkte - sie bleibt aber mit 49 Prozent etwas höher als im Westen (44 Prozent).

"Der Sorgenhaushalt der Bevölkerung hängt mit der Konjunktur und der wirtschaftlichen Lage des Einzelnen zusammen", sagt Professor Manfred Schmidt, Politologe an der Universität Heidelberg. Gehe es wirtschaftlich aufwärts, sinken die Sorgen - das gelte für alle Bundesländer gleichermaßen.

Unterschiede wie bei der Angst vor Naturkatastrophen (Ost: 52 Prozent, West: 60 Prozent) erklärt Schmidt mit einem unterschiedlichen Wertehaushalt. "Grüne Themen" hätten im Westen seit den 80er-Jahren ein viel größeres politisches Gewicht als im Osten Deutschlands.

Noch mehr Gewicht scheint dieses Thema im Freistaat zu haben. 68 Prozent fürchten, dass die Anzahl der Naturkatastrophen weiter zunimmt. Damit liegt diese Sorge noch vor den steigenden Lebenshaltungskosten (65 Prozent) und der Überforderung der Politiker (60 Prozent). Insgesamt blicken 46 Prozent der Bayern mit großen Sorgen in die Zukunft - damit liegt der Freistaat über dem Bundesdurchschnitt. 

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