Ärger beim Friseur: Wer den Prozess gewinnt

München - Nicht immer sind Friseurkunden mit dem Ergebnis zufrieden. Häufig ist das Werk aber „nur“ eine Geschmacksfrage, um die sich bekannterweise nicht streiten lässt. Streiten lässt es sich hingegen dann, wenn die Frisur an Körperverletzung grenzt.

In einem aktuellen Fall brachen bei einer Frau die Haarspitzen ab, weil eine Friseurin die Blondierung nicht fachgerecht durchgeführt hatte. Der Kundin wurden blonde Strähnchen verpasst, und weil sie schnell nach Hause musste, föhnte und kämmte sie sich daheim selbst. Dabei fiel die Haarpracht teilweise büschelweise aus.

Strähnen entgegen Regeln der Kunst

Weil der Inhaber des Friseurladens jede Schuld von sich wies und behauptete, seine Mitarbeiterin habe „alles richtig gemacht“, beauftragte die Kundin einen Gutachter. Der bestätigte, dass die Strähnen „entgegen den Regeln der Frisierkunst nicht nur auf den Haaransätzen, sondern auch auf den Längen und Spitzen aufgetragen“ worden seien. Das Amtsgericht Erkelenz sprach der Kundin ein Schmerzensgeld von 1000 Euro zu. Der Friseur musste ihr außerdem seinen Rechnungsbetrag ersetzen und die Sachverständigen- und Anwaltskosten bezahlen. (AZ: 8 C 351/08)

Ärger mit der Blondierung

Um eine Blondierung ging es auch in folgendem Fall: Eine Frau war mit der Haarfärbung nicht einverstanden. Der Figaro versuchte in mehreren Anläufen, die Frisur per „Blondierwäsche“ zu retten. Weil das nicht gelang, die Haare porös wurden und schließlich abgeschnitten werden mussten, verurteilte das Landgericht Berlin den Friseur zur Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro. (Aktenzeichen: 23 O 539/01)

Schadenersatz für Haarverlängeung

Richtig teuer wurde es für einen Friseur in Niedersachsen. Eine Kundin mit ungewöhnlich schöner langer Mähne musste sich nach einer Haarfärbung eine Kurzhaarfrisur schneiden lassen, weil die Färbung komplett in die Hose ging. Das Landgericht Hannover verdonnerte den Friseur dazu, eine Haarverlängerung für die Geschädigte zu bezahlen. Die wurde im Übrigen von einem anderen Coiffeur durchgeführt. Unterm Strich musste der Pfuscher 9000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld leisten. (AZ: 14 O 87/03)

Männer müssen tapfer sein

Ein Handwerker wollte sich seine langen Haare „um exakt 2,5 Zentimeter“ stutzen lassen. Seine Zollstockmessung nach dem Friseurtermin ergab jedoch, dass 5 Zentimeter abgeschnitten worden waren. Er forderte Schadenersatz und Schmerzensgeld, weil er seitdem „depressive Verstimmungen“ gehabt habe (er habe sich zum Beispiel nicht mehr zu den Terminen seines Dartspiel-Vereins getraut) und überlegt, während der Arbeit ein Kopftuch zu tragen. Er ging jedoch leer aus. Das Landgericht Dortmund meinte, dass er weder in seinem Persönlichkeitsrecht noch körperlich verletzt worden sei. Das Gericht lieferte eine interessante Begründung: „Anders als beispielsweise im Tischlerhandwerk werden im Friseurhandwerk die Arbeiten nicht nach Millimeterangaben, sondern eher nach dem ästhetischen Erscheinungsbild ausgeführt“. (AZ: 11 S 65/02)

Weitere Urteile

-Das Amtsgericht Köln bewilligte einer Frau 250 Euro, weil die dauergewellten Haare ohne Haardiagnose behandelt, die Wickler falsch angebracht und zu starke Lösungen verwendet worden waren, so dass sie porös wurden und brachen. (AZ: 141 C 5/01)

-Das Amtsgericht Hannover hielt 500 Euro für gerechtfertigt, da einer Kundin das Haar durch unsachgemäße Dauerwellenbehandlung so geschädigt wurde, dass es kurz geschnitten werden musste und die Frau fortan an „depressiven Verstimmungen“ litt. (AZ: 510 C 705/94)

-Das Oberlandesgericht Köln verurteilte einen Friseur nach einer unsachgemäßen „Extensionsfrisur“ nach vorheriger Dauerwelle und Färbung zur Zahlung von 1500 Euro. Hier fielen die Haare einer Dozentin nahezu komplett aus, und sie musste bis zum Nachwachsen eine Perücke tragen. (AZ: 19 U 62/99)

Wolfgang Büser und Maik Heitmann

Rubriklistenbild: © dpa

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