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Alle 550 Vertragshändler drohen mit Streik: die Lage spitzt sich für BMW zu. 

Vertrags-Zoff

Aufstand gegen BMW: Alle 550 Vertragshändler wollen ab Montag in den Verkaufs-Streik treten

Der Streit spitzt sich zu: alle 550 Vertragshändler drohen zu streiken. Die Händler kritisieren vor allem die Blockadehaltung der BMW-Führung. 

München - Der Streit zwischen BMW und den Autohäusern spitzt sich zu! Der Verband Deutscher BMW Vertragshändler droht, ab Montag weder Pkw noch Ersatzteile zu verkaufen: Händler-Streik! Für BMW-Fahrer, die ein Ersatzteil brauchen, wirds dann eng. Und auch beim Neuwagen-Kauf geht dann nichts mehr. Alle 550 eigenständigen deutschen BMW Vertragshändler haben gestern ihre Ablehnungsschreiben gegen die von BMW vorgelegten Verträge überreicht. 

„Die uns vorgelegten Verträge über ein Geschäftsmodell 2018+ werden wir so nicht unterschreiben“, so der Verbandspräsident und Memminger BMW-Händler Peter Reisacher. Die aktuellen Verträge laufen am 30. September 2018 aus - danach ist Schluss mit dem BMW-Verkauf, wenn bis dahin keine Einigung gefunden wurde. Bisher gab es laut den Händlern noch nicht einmal ein Gespräch mit BMW: „Ihr unterschreibt oder ihr fliegt“, so sei die knallharte Haltung des Münchner Autokonzerns gewesen, erklärte ein Sprecher der Vertragshändler gegenüber der tz. 

Video: BMW-Händler drohen mit Verkaufsstopp

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Händler beklagen Haltung von BMW und vergleichen Verhalten mit Audi und VW

BMW hatte den Autohäusern im August neue Kontrakte vorgelegt, mit denen ihr Verdienst deutlich zurückgehen würde. Die Händler beklagen die Blockadehaltung der BMW-Führung: VW und Audi hätten nach fairen Verhandlungen schnell einen „partnerschaftlichen“ Vertrag mit ihren Händlern abgeschlossen. In den bundesweit 550 BMW-Vertrags- und Servicebetrieben arbeiten rund 22 000 Menschen. Weitere 49 BMW-Häuser gehören dem Konzern direkt. „Wir Händler stehen für sechs Milliarden Euro Umsatz beim Neuwagenverkauf“, so der Sprecher. 

Insgesamt machen die 550 BMW-Autohäuser elf Milliarden Euro Umsatz. Die Rendite der Händler ist allerdings mit im Schnitt ein Prozent in den letzten zehn Jahren vergleichsweise gering - bei schlechteren Konditionen dürfte es für viele Händler existenzgefährdend werden. Hintergrund des Kriegs zwischen Konzern und Händlern ist der dramatische Umbruch in der Autobranche: Die Autohäuser fürchten, dass BMW den Direktverkauf mit Großkunden ausweiten will. So habe BMW den Handel bereits bei einem Deal mit Lidl umgangen, so die Vertragshändler. 

Auch bei den Geschäften mit Zubehör drohen den Händlern Einbußen: Im großen Stil sollen Zusatzfunktionen künftig in Autos vorinstalliert und dann von Kunden elektronisch freigeschaltet werden können. Kunden müssten dann nicht mehr zum Händler, wenns hakt. „BMW will die alleinige Hoheit über die Kundendaten, die bisher bei uns als Vertragspartner lagen“, klagt Reisacher. Der Konzern will von den Händlern diese wertvollen Daten haben, um seine Position als Mobilitätsdienstleister zum Beispiel fürs Carsharing-Geschäft auszubauen. 

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BMW droht gefährliche Lage: Ferdinand Dudenhöffer sieht Krise der Autohäuser

Der Münchner Autobauer teilte mit, er habe den europäischen Händlern „eine vertragliche Grundlage für die nächsten fünf Jahre vorgelegt, die die Interessen des Handels und des Herstellers gleichermaßen berücksichtigt“. Die Bereitschaft zur Erneuerung sei unabdingbar. Außerhalb Deutschlands würden die neuen Händlerverträge positiv gesehen und seien „bereits weitestgehend unterzeichnet“. 

Auto-Experte Prof. Ferdinand Dudenhöffer sieht in dem Streit zwischen BMW und seinen Händlern die tieferliegende generelle Krise der Autohäuser: „Wenn Sie bei BMW ein Auto für 50 000 Euro kaufen, zahlen Sie als Kunde 5000 Euro allein für die Kosten des Autohauses. Bei Tesla, die auf Online-Handel und Servicepunkte außerhalb der Städte setzen, zahlt der Kunde nur 2000 Euro für die Vertriebskosten. Das klassische, palastartige Autohaus ist nicht für die Zukunft gebaut…“, so der „Auto-Papst“. Dudenhöffer geht aber davon aus, dass sich die Streithähne im aktuellen Konflikt einigen werden: „Den Verkaufsstopp können sich beide Seiten nicht leisten.“

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