Aero Lloyd: Die Pleite wirkt nach

- München/Frankfurt - Einst war die Aero Lloyd eine große Nummer: Aus der Fluglinie entstand 1923 nach der Fusion mit Junkers Luftverkehr die Lufthansa. Aber der Glanz der alten Tage ermattete, nachdem eine in den 70er-Jahren gegründete, gleichnamige Airline am 16. Oktober 2003 vor dem Insolvenzrichter notlandete. Die Pleite und ihre Folgen sorgen derzeit noch einmal für verärgerte Fluggäste und eine skurile E-Mail."Verdacht auf Insolvenzbetrug bei Aero Lloyd", lautete der Untertitel des Schreibens, das in mehreren Redaktionen einging. Das klingt nach Skandal und tatsächlich hat es der Text in sich: Der selbsternannte Jungunternehmer Thomas Schumann erhebt darin "schwere Anschuldigungen" gegen den früheren Mehrheitseigner und Gläubiger der Fluglinie, die Bayern LB.

Das halbstaatliche Geldhaus hatte - wegen Kreditflops selber unter Druck - dem hoch verschuldeten Ferienflieger im Herbst 2003 unerwartet den Geldhahn zugedreht. Die 20 Maschinen blieben daraufhin am Boden, tausende Urlauber auch und die Aero Lloyd mit ihren 1200 Mitarbeitern endete in der Insolvenz. Die Belegschaft protestierte heftig, denn nach einem Sanierungsplan von Roland Berger hätte es die Gesellschaft aus Oberursel bei Frankfurt mit einer Finanzspritze wieder in die Gewinnzone schaffen können.

Auch Schumann, selber nie bei der Aero Lloyd tätig, wirft der Bayern LB nun vor, auf Kosten der Fluglinie gehandelt zu haben. Unter anderem schreibt er, dass die Bank kurz vor der Pleite einen zweistelligen Millionenbetrag beiseite geschafft haben soll. Schumann bestätigte unserer Zeitung, dass er überlegt, eine Schadenersatzklage in "dreistelliger Millionenhöhe" gegen die Bank einzureichen.

Die zeigt sich unbeeindruckt: "Das entbehrt jeder Grundlage", sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Rückendeckung bekommt die Bayern LB aus der Frankfurter Kanzlei des Aero-Lloyd-Insolvenzverwalters Gerhard Walter: "Schnee von gestern", heißt es dort, "wir messen dem keine Bedeutung zu."

Schumann, Ex-Flugbegleiter bei der Lufthansa, tritt nicht zum ersten Mal in Sachen Aero Lloyd in Erscheinung. Nach der Insolvenz bewarb er sich als Investor. Da er aber nur symbolische 99 Cent einbringen wollte, kamen andere zum Zug: der frühere Rennfahrer Niki Lauda kaufte fünf Maschinen und in Deutschland lief das Geschäft schließlich mit sechs Flugzeugen und 300 Mitarbeitern als "Aero Flight" fort.

Der Nachfolger musste jedoch jüngst einen Rückschlag einstecken. Am 1. November entzog das Luftfahrt-Bundesamt der Gesellschaft die Flugerlaubnis, ohne Gründe zu nennen. Rund 7500 Passagiere waren und sind von dieser Entscheidung betroffen, die aber zumindest teilweise bei anderen Linien unterkamen. Am Ende ist Aero Flight aber noch nicht: Die isländische Avion soll entschlossen sein, die Firma zu übernehmen. Vielleicht wird es dann wieder mit dem Glanz der alten Tage.

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