Agfa kappt seine Wurzeln: Trennung von Foto-Sparte

- Mortsel - Agfa-Gevaert kappt seine Wurzeln: Die Stammsparte Foto wird nach einem langwierigen Trennungsprozess an eine Investorengruppe verkauft. Der belgische Konzern zieht sich mit diesem Schnitt aus dem schrumpfenden Markt für Kleinbildfilme und dem Endverbrauchergeschäft zurück.

<P>Kodak und Fuji liegen auf dem Weltmarkt für Filme an der Spitze. Mittlerweile zog auch Konica dank seines asiatischen Heimatmarktes am knallroten Agfa-Film vorbei. Bei der Agfa-Gevaert-Gruppe steht künftig die digitale Bildtechnik vor allem für Krankenhäuser und die Druckindustrie noch stärker im Fokus.<BR>Der abgespaltene Traditionsteil kehrt mit seiner Zentrale an den langjährigen Stammsitz in Leverkusen zurück. Agfa war jahrzehntelang eine Tochter des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer. Durch den Einstieg der Beteiligungsholding Nanno um den Geschäftsmann Hartmut Emans wird die künftige Agfa-Photo GmbH mehrheitlich ein deutsches Familienunternehmen sein.</P><P>"Ich glaube an die Zukunft des Unternehmens", unterstrich Emans bei der Bekanntgabe des Verkaufs in der Agfa-Gevaert-Zentrale im belgischen Mortsel. Fast jeder zweite No-Name-Film weltweit komme von Agfa. Bei digitalen Großlabormaschinen sei die neue Agfa-Photo sogar Weltmarktführer.</P><P>Agfa-Gevaert bekam die gewaltigen Umwälzungen auf dem weltweiten Fotomarkt schmerzlich zu spüren. Digitalkameras sind im Handel der große Renner, die analogen Kameras und analogen Filme verlieren Marktanteile. So werden nach einer Fuji-Schätzung in diesem Jahr in Deutschland voraussichtlich nahezu sieben Millionen digitale Kameras über die Ladentische gehen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland bereits 4,9 Millionen digitale Kameras verkauft. Gleichzeitig wurden aber nur rund zwei Millionen analoge Kameras für den Kleinbildfilm abgesetzt.</P><P>Vom Digitalboom will aber auch Agfa-Photo profitieren: Die neuen Kameras lösen eine Bilderflut aus, für die digitale Laborgeräte und auch Fotopapier benötigt werden. Dass Agfa-Gevaert nicht groß in den Markt für Digitalkameras eingestiegen ist, war nach Meinung von Emans richtig. Auch bei digitalen Geräten für Endverbraucher gebe es einen Preiskampf. Agfa verkaufte unter seinem Namen in den 90er-Jahren Digitalkameras, die bei asiatischen Herstellern produziert wurden. Mit diesem Geschäft dürfte der Konzern damals nur Geld verloren haben.</P><P>Mit dem Eigentümerwechsel kommen auf die knapp 2900 Mitarbeiter der Fotosparte Opfer zu. In den vergangenen Jahren waren in der Filmproduktion zahlreiche Arbeitsplätze gestrichen worden. Die neuen Eigentümer, zu denen auch Agfa-Manager und US-Finanzinvestoren gehören, werden angesichts des schrumpfenden Filmmarktes die Kosten weiter senken. Wie viele Stellen wegfallen und ausgegliedert werden, steht nicht fest.</P><P>In die Filmproduktion wird nicht mehr groß investiert. Mit dem analogen Film will das ausgegliederte Foto-Unternehmen aber noch viele Jahre lang Geld verdienen. Acht von zehn deutschen Haushalten besitzen nach Angaben von Fuji einen analogen Fotoapparat. Ein digitales Gerät ist in jedem vierten deutschen Haushalt zu finden.</P>

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