Agrarpreise sinken trotz guter Ernte nicht

Die gute Getreideernte in Norddeutschland wird nach Ansicht von Agrarproduzenten für den Verbraucher keine Entlastung bei den Lebensmittelpreisen bringen.

"Aber die Preisrallye schwächt sich dadurch ab, die Kosten pendeln sich auf dem derzeitigen Niveau ein", sagte der Vorstandschef von KTG Agrar, Siegfried Hofreiter, der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Mögliche Überschüsse werden vor allem zum Auffüllen der leergefegten Weltmarktvorräte genutzt und haben deshalb kaum Auswirkungen auf die Verbraucherpreise." Von 120 seien diese auf 50 Tage geschrumpft. Das Anknabbern der Reserven habe die Preise in die Höhe getrieben. Die Hamburger KTG Agrar ist ein führender Agrarproduzent in Europa.

In Schleswig-Holstein, Ostdeutschland und dem Baltikum hat das Unternehmen in diesem Sommer bereits mehr als 50 000 Tonnen Getreide und Raps geerntet. "Es ist keine Spitzenernte, aber eine gute Ernte", sagte Hofreiter. Nach zwei schlechten Jahre gehe es für die Branche bergauf. "Für eine Trendwende reicht das noch nicht aus, dafür sind mehrere aufeinanderfolgende gute Ernten vonnöten." Da KTG großflächig im Norden, Osten und in den Baltenstaaten erntet, ist das Unternehmen durch die weite geografische Verteilung von Ertrags-Schwankungen unabhängiger. "Standorte mit viel Niederschlag gleichen die mit weniger Regen aus", sagte der 46-Jährige. Das Unternehmen profitiere davon, dass 70 Prozent der diesjährigen Ernte bereits zu Jahresbeginn - als die Preise besonders hoch waren - verkauft worden sind.

Die deutschen Bauern rechnen in diesem Jahr insgesamt mit einer Getreideernte von rund 47 Millionen Tonnen, das sind etwa 16 Prozent mehr als 2007 und sieben Prozent mehr als im langjährigen Mittel. Hofreiter wies darauf hin, dass bei der Kalkulation der Preise für Lebensmittel aber viele Faktoren wichtig seien. Vor allem die Energiekosten seien der größte Preistreiber. Bei einem Brötchen macht das Getreide nur 10 Prozent des Preise aus, sagte der KTG-Chef. "Beim Schweinebraten im Kühlregal haben die Fleischkosten nicht mal 50 Prozent Anteil am Preis." Jedes Jahr steige die Weltbevölkerung um 60 bis 80 Millionen Menschen, das verstärke das Ernährungsproblem weiter und habe auch zum starken Sinken der Weltmarktvorräte geführt. "Seit dem Jahr 2000 überstieg der Verbrauch die Produktion", sagte Hofreiter. 2008 könne es erstmals wieder ausgeglichen sein, eventuell gebe es auch einen Überschuss. "Das war dringend notwendig."

Es gelte jetzt zunächst, mit einem Auffüllen der Weltmarktvorräte die Ernährungssicherheit nachhaltig zu sichern. So könnten kritische Momente wie zuletzt verhindert werden, die sprunghaft die Preise hoch treiben und Panik auslösen. Russland etwa habe für 1,8 Milliarden US- Dollar ein großes Getreide-Aufkaufprogramm in Gang gesetzt, weil die Notvorräte so gut wie erschöpft waren. "Die russische Regierung weiß, dass neben dem Gasrubel die Ernährungssicherheit der Bürger das Wichtigste ist", sagte der Vorstandsvorsitzende. Andere Länder wie zum Beispiel Australien - früher eine Kornkammer - hätte dauerhafte Folgen des Klimawandels zu spüren, die spürbare Mehrerträge bei Ernten auch für die Zukunft unwahrscheinlich machen. "Hier ist der Grundwasserspiegel um bis zu sechs Meter gesunken", sagte Hofreiter.

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