Agrar-Revolution aus dem Allgäu ist bestes Pferd im US-Stall

- Marktoberdorf - Auf dem Weltmarkt hat sich der Traktorenbauer Fendt einen festen Platz erobert. Über 11 000 Traktoren verkaufte der Hersteller aus Marktoberdorf im Ostallgäu 2004, der Exportanteil liegt mittlerweile bei 65 Prozent und soll noch ausgebaut werden.

Das Unternehmen, das in diesen Tagen sein 75-jähriges Bestehen feiert, habe zum Gewinn des US-Mutterkonzerns AGCO von knapp 160 Millionen US-Dollar 2004 erheblich beigetragen, erklärt Geschäftsführer Hermann Merschroth. 1997 war das frühere Familienunternehmen mit einem Jahresumsatz von zuletzt 760 Millionen Euro an das US-Unternehmen verkauft worden.

Die beiden Tüftler Johann-Georg Fendt und sein Sohn Hermann hatten 1928 den ersten selbstfahrenden Grasmäher konstruiert. Auf dieser Basis bauten sie zwei Jahre später ihren ersten Traktor mit Mähbalken, der die Landwirtschaft nicht nur im Allgäu revolutionieren sollte. Musste ein Bauer für einen Hektar Getreidefläche von der Bestellung der Saat bis zur Ernte 1950 noch 179 Stunden arbeiten, so ist dies heute dank moderner Technologie ein Tagwerk.

Fendt beschäftigt 2600 Mitarbeiter, davon 1870 in Marktoberdorf und 730 im schwäbischen Zweigwerk Asbach-Bäumenheim. "Die Entwicklung der Traktorenproduktion ist nur vergleichbar mit der Flugzeugtechnik. Die Automobilindustrie hinkt beim Innovationstempo weit hinterher", sagt Merschroth. Er ist seit 29 Jahren bei Fendt und seit der Übernahme durch AGCO der einzig verbliebene Manager.

Dass die Firma verkauft wurde, habe an der Nachfolgefrage gelegen und nicht am Management, versichert der 55-Jährige. AGCO, drittgrößter Landtechnik-Konzern der Welt, bezeichnet die Allgäuer Fabrik sogar als "bestes Pferd im Stall".Rund 20 Millionen Euro investiert der Mutterkonzern jährlich in Marktoberdorf. Weitere 26 Millionen Euro fließen allein heuer in Forschung und Entwicklung.

Das Ohr nahe am Markt hatten schon die Firmengründer. Sie bauten die Getriebefertigung im Werk auf und konzentrierten sich auf diese Kerntechnik im Herz eines jeden Traktors. "Am Standort Deutschland können wir keine Kostenführerschaft erreichen, aber bei Technologie und Qualität Trendsetter sein", sagt Firmenchef Merschroth.

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