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Fliegt Air Berlin einer düsteren Zukunft entgegen? Der unterlegene Bieter Wöhrl glaubt das

„Katastrophe für Passagiere“

Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer

Air Berlin könnte zu großen Teilen an die Lufthansa gehen. Unterlegene Bieter halten das für eine „Katastrophe“ auch für Passagiere. Sie könnten klagen.

Berlin/Nürnberg - Beim Verkauf von Air Berlin haben sich die Gläubiger der insolventen Fluggesellschaft für Verhandlungen mit der Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet entschieden. Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der für den Kauf der Fluggsellschaft als Ganzes geboten hatte, kritisierte diesen Verkauf einzelner Teile am Freitag scharf und prüft eine mögliche Klage. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi begrüßte hingegen die Konzentration auf wenige ausgewählte Bieter.

Die Gläubigerausschüsse hatten am Donnerstag entschieden, bis zum 12. Oktober mit einem "ausgewählten Bieterkreis" über den Verkauf des Lufttransport-Bereichs weiterzuverhandeln, wie Air Berlin mitteilte. Dieser Bieterkreis umfasse die Lufthansa und Easyjet. Hinsichtlich der sonstigen Teilbereiche der Gruppe würden die Verkaufsverhandlungen mit weiteren Bietern fortgesetzt. Medienberichten zufolge könnte es "je nach Verlauf der Gespräche" auch noch Verhandlungen mit Thomas Cook und dessen Airline Condor geben.

Zweites, kleineres Paket für Easyjet?

Die Wirtschaftswoche berichtete, der Gläubigerausschuss habe sich auf exklusive Verhandlungen mit der Lufthansa über den Kauf der Air-Berlin-Tochter Niki festgelegt. Die Verhandlungen umfassten neben der Niki-Beteiligung weitere Slots und Maschinen von Air Berlin. Den Kauf von Langstrecken-Flugzeugen von Air Berlin hatte die Lufthansa zuvor bereits ausgeschlossen.

Zusätzlich sei der vorläufige Insolvenz-Sachwalter beauftragt worden, mit Easyjet über ein zweites, aber deutlich kleineres Air-Berlin-Paket zu verhandeln, berichtete das Magazin weiter. Je nach Verlauf der Gespräche könnte demnach noch ein drittes Paket geschnürt werden und an Thomas Cook gehen.

Insgesamt umfasst die Flotte von Air Berlin 144 Flugzeuge, darunter 17 Langstreckenflieger. Die Airline beschäftigt mehr als 8500 Menschen. Mehrere Unternehmen, darunter Lufthansa sowie der frühere österreichische Rennfahrer Niki Lauda gemeinsam mit Thomas Cook und Condor, hatte Gebote eingereicht. Eine Offerte gab Medienberichten zufolge auch die British-Airways-Mutter IAG ab.

Wöhrl sieht „Katastrophe“ für Air-Berlin-Mitarbeiter kommen

Der unterlegene Bieter Wöhrl kritisierte die geplante Zerschlagung von Air Berlin als "Katastrophe" für Mitarbeiter und Passagiere. "Denn damit bekommen wir Monopolstrukturen, und die waren noch nie für den Wettbewerb gut und haben immer zu höheren Preisen geführt", sagte er dem SWR.

Dass die Lufthansa offenbar den größten Teil von Air Berlin übernehmen dürfe, sei "ein Skandal" - vor allem deswegen, "weil die Regierung am Ende des Tages mit 150 Millionen den Verlust einiger tausender Arbeitsplätze vorfinanziert hat." Die Bundesregierung hat Air Berlin einen Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro gewährt. Er sei "noch nicht vollständig ausgeschöpft", sagte eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Genaue Zahlen wollte sie nicht nennen.

Klagen nicht ausgeschlossen

Wöhrls Unmut richtet sich insbesondere gegen Zypries und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Beide hatten sich unmittelbar nach der Insolvenz für einen Verkauf an Lufthansa ausgesprochen. Dem Handelsblatt zufolge schließen sowohl Wöhrl als auch der ebenfalls unterlegene Bieter Utz Claassen rechtliche Schritte gegen die Entscheidung des Gläubigerausschusses nicht aus.

Verdi erklärte, die offenbar als Käufer in Frage kommenden Unternehmen hätten "guten Tarifverträge und einer gute Mitbestimmungskultur". Die Gewerkschaft erwarte nun, dass diese Unternehmen Verantwortung für die Beschäftigten von Air Berlin übernehmen und ihnen gute Zukunftsperspektiven bieten.

AFP

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