Airbus: Auch Gewerkschaften tun sich schwer mit Solidarität

- Hamburg/Paris ­- Nach monatelangen Spekulationen, Gerüchten und Halbwahrheiten soll jetzt Klartext folgen: Heute will die Airbus-Führung die Betriebsräte über den Umbau der Fertigung informieren. Nach dem Machtwort von Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Jacques Chirac hatten Deutsche und Franzosen in der EADS-Spitze erstaunlich schnell ihren Streit darüber beigelegt, welche Werke mit wie vielen Arbeitsplätzen Airbus behalten soll.

Doch die Gewerkschaften wollen keine harten Einschnitte schlucken. Die Zeichen stehen auf Sturm.

Die niedersächsischen Werke Varel und Nordenham sowie Méaulte und Saint-Nazaire in Frankreich stehen auf der Kippe. Schon bieten sich die Russen als neue Lieferanten an. Doch angesichts von Rekordaufträgen und einer Produktion hart an der Kapazitätsgrenze wollen die Gewerkschaften nicht hinnehmen, dass die Belegschaft für Managementfehler blutet. "Wir hören immer nur von Lastenverteilung, aber nichts von Zukunftschancen", heißt es von den deutschen Betriebsräten. "Wir müssen unsere Kernfähigkeiten in Deutschland halten", sagte Rüdiger Lütjen, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von Airbus Deutschland.

Deutschland und Frankreich sollen die Verantwortung für je 35 Prozent des neuen Langstreckenjets A350 bekommen, mit dem "Power 8" erstmals umgesetzt werden soll. Doch Verantwortung heißt nicht Arbeit. Deutsche Gewerkschafter befürchten, Airbus könne fast 70 Prozent der Wertschöpfung abgeben, möglichst in Billiglohnländer. Ihre französischen Kollegen hegen ähnliche Befürchtungen.

Dennoch fällt den deutschen und französischen Gewerkschaften der Schulterschluss genauso schwer wie dem Management. "Wenn die Aufteilung der Produktion auf die Werke uns nicht gefällt oder Ausgliederungen ins Werk gesetzt werden, dann werden wir ein echtes Feuerwerk veranstalten", droht Jean-François Knepper, der französische Co-Chef des Airbus-Gesamtbetriebsrates. Mit Sprüchen wie "Fliegen wir, fliegt kein Airbus mehr", machten auch die deutschen Arbeitnehmer klar, dass sie Einschnitte nicht hinnehmen wollen.

Einig sind sich die Gewerkschaften diesseits wie jenseits des Rheines im Kampf gegen den Verkauf ganzer Werke oder Fertigungen. "Die neuen privaten Aktionäre werden am Ende die Produktion in Billiglohnländer verlagern, um ihren Kapitaleinsatz rentabel zu gestalten", sagt Knepper. Und die IG Metall sieht das nicht anders. Streit ist allerdings bei der Aufteilung der Produktion programmiert. Denn hier geht es nicht nur um die aktuellen Arbeitsplätze, sondern um technische Fähigkeiten und damit die Arbeitsplätze von morgen. Ein Flugzeugprogramm dauert in der Regel 30 bis 40 Jahre.

Der neue Langstreckenjet A350 XWB soll anders als sein Vorgänger A330 weitgehend aus Verbundstoffen gefertigt werden. Nach reiner Betriebslogik müssten die Spanier deswegen besonders von der Fertigung profitieren, die im EADS-Konzern hier am weitesten sind. Dazu passt die Madrider Meldung, der spanische Anteil solle beim A350 von 7,5 auf elf Prozent steigen. Doch was die Spanier gewönnen, müssten andere verlieren. Auch Nantes in Frankreich und Stade sind Spezialisten für Kohlefaser-verstärkte Verbundstoffe.

"Es geht nicht um die Werke, sondern um die Zukunft von Airbus", mahnt der französische Innenminister Nicolas Sarkozy. Aber Airbus besteht aus seinen Werken und Arbeitsplätzen. Deshalb wehren sich die französischen Gewerkschaften dagegen, dass die Fertigung der aufwändigen Mittelrumpfteile des A350 von Nantes nach Deutschland oder Spanien vergeben werden könnte. Zumal in Paris kolportiert wird, die Deutschen wollten mehr Technologie an Land ziehen, als sie selbst beherrschen würden.

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