Airbus baut neuen Langstreckenjet

- München - Für mehrere Milliarden Euro will Airbus ein neues Langstreckenflugzeug entwickeln und bauen. Wegweisend könnte der Passagierjet auch sein, weil sich an ihm und seinem Konkurrenzmodell Boeing 787 die künftige Subventionspraxis entscheiden dürfte.

Der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sowie dessen britischer Partner BAE Systems haben grünes Licht für das neue Airbus-Modell A 350 gegeben. "Das Programm verspricht ein gutes Geschäft zu werden", begründeten die neuen EADS-Chefs Tom Enders und Noë¨l Forgeard nach einer Aufsichtsratssitzung in Amsterdam den Startschuss für die Großinvestition. Bis Jahresende erwarten sie 200 Bestellungen für den neuen Langstreckenjet. Die Entwicklungskosten dafür schätzen Experten auf 4,3 Milliarden Euro. Der A 350 ist eine verlängerte Version des bisherigen Airbus-Erfolgsmodells A 330.

Europas Flugzeugbauer müssen damit erstmals auf eine Herausforderung des zuletzt abgefallenen US-Erzrivalen Boeing reagieren. Der schickt in dieser Klasse, der Experten in den nächsten 20 Jahren einen globalen Bedarf von bis zu 3500 Maschinen voraussagen, ab 2008 sein neues Modell 787/Dreamliner ins Rennen. "Das ist der enthusiastischste Start, den wir je hatten", schwärmte Boeing-Topmanager Alan Mulally zuletzt vom Dreamliner, für den die Amerikaner bislang gut 260 Bestellungen eingesammelt haben. Damit haben sie die Nase hier vor dem A 350, der seit Ende 2004 den Fluggesellschaften angeboten wird. Derzeit liegen 140 feste Kaufzusagen vor. Der A 350 kommt voraussichtlich erst zwei Jahre später als die Boeing 787 auf den Markt. Experten sehen in der 787 das erste Modell, mit dem Boeing den Marktführer Airbus wieder überflügeln könnte. Der Dreamliner gilt als die erste wirkliche Boeing-Neuentwicklung seit 1990. Deshalb liegen die Investitionen dafür mit geschätzt zehn Milliarden Dollar auch weit höher als die für den A 350, der technologisch von modernen Modellen wie dem Riesenjet A 380 profitieren kann. Die Konkurrenzjets der europäischen und amerikanischen Flugzeugbauer sollen jeweils bis zu 300 Passagieren Platz bieten und mit Reichweiten von bis zu 16 000 Kilometern in dieser Beziehung neue Rekorde aufstellen. Damit wäre dann ein Nonstopflug von London nach Hawaii möglich.

Wegweisend könnten die Flugzeuge auch in anderer Hinsicht sein. Denn vor allem an ihnen hat sich ein Subventionsstreit entzündet, den die USA und die EU derzeit vor der Welthandelsorganisation WTO im Namen ihrer Flugzeugindustrien ausfechten. Die EADS hat für den A 350 bereits staatliche Entwicklungshilfen über gut eine Milliarde Euro beantragt, was den USA ein Dorn im Auge ist. Die EU wiederum wittert im Fall der Boeing 787 versteckte Zuschüsse im Umfang von etwa fünf Milliarden Dollar.

Versteckte Subventionen vergiften Atmosphäre

Zeitgleich mit dem Programmstart für den A 350 setzt die EADS nun auf Entspannung. Man habe sich entschieden, 2006 keine Auszahlung der ohnehin voll rückzahlbaren Entwicklungskostendarlehen in Anspruch zu nehmen. Voraussetzung sei entsprechende Zurückhaltung in den USA. Damit soll eine Verhandlungslösung im transatlantischen Streit ohne WTO-Votum ermöglicht werden. "Wir unterstützen die Regierungen aktiv bei der Suche nach einer fairen und einvernehmlichen Lösung und fordern unseren Wettbewerber auf, das Gleiche zu tun", sagten Enders und Forgeard. Auch der französische Staat als EADS-Miteigner zeigte sich zuletzt bereit, vor einem formellen WTO-Verfahren wieder an den Verhandlungstisch zurückzukommen, um den Subventionsstreit ohne Gerichte zu regeln.

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