Das Kürzel EADS verschwindet. Der Konzern und seine drei Divisionen heißen in Zukunft Airbus. Foto: dpa

Luftfahrt

Wie Airbus Bayern verändern wird

Der Luftfahrtstandort Bayern verändert sich. In keiner anderen Region wird sich die neue Strategie des EADS-Konzerns, der künftig Airbus heißt, so deutlich auswirken. Ob Bayern zu den Gewinner zählt, ist fraglich.

Es ist nur eine Äußerlichkeit: Drei Jahre nachdem der EADS-Konzern seiner Verteidigungssparte den Kunstnamen Cassidian verpasste, landet der im Archiv. Airbus Defence and Space heißt die neue Division des Konzerns, die nicht nur wichtige Standorte, sondern auch ihre Zentrale in Bayern haben wird. Airbus steht bald an den Gebäuden in Manching, wo der Eurofighter gebaut wird, in Schrobenhausen, wo EADS Lenkflugkörper herstellt und auch am Hauptquartier der neuen Division, das in Ottobrunn/Taufkirchen angesiedelt wird.

Der EADS-Schriftzug verschwindet dagegen möglicherweise ersatzlos vom bisherigen Cassidian-Hauptquartier in Unterschleißheim. Die Zentrale wird auf jeden Fall nach Ottobrunn verlegt. Auch den in Unterschleißheim angesiedelten operativen Bereichen droht ein Umzug. Eurocopter in Donauwörth wird dagegen Airbus Helicopters.

Keine Aufträge, keine Arbeitsplätze

Doch mit Firmenschildern, Visitenkarten und Briefköpfen ist es nicht getan. Es gibt etwas, was viel tiefer wirkt: Mit der Neuerung sind die meisten bisherigen EADS-Aktivitäten, die von Staatsaufträgen abhängen, unter einem Dach zusammengefasst – ein Großteil davon in Bayern.

Das ist ein Signal an die Politik: Wenn gespart wird und die Aufträge ausbleiben, sind auch die Arbeitsplätze weg. Will Bayern seine Zukunft als Hightech-Standort erhalten, müssen Staatskanzlei und Ministerien auch dafür sorgen, dass Raumfahrt- und Rüstungsprojekte angeschoben werden – etwa ein Nachfolger für den in die Jahre gekommenen Eurofighter. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer müsste in die Fußstapfen von Franz Josef Strauß treten, der Bayern mit Rüstungsaufträgen zum wichtigen Luftfahrtstandort gemacht hat.

Doch die neue Strategie, die die Führungsriege um Tom Enders ihrem Konzern verordnet hat, wird auch in vielen Unternehmen der Branche zu spüren sein, die gar nicht den Namen Airbus tragen. Auch die Zusammenarbeit mit Zulieferern wird umgekrempelt. Von einer pyramidalen Zulieferstruktur spricht der Deutschland-Chef von Airbus, Günter Butschek. Der Manager, der aus der Autobranche zu Airbus gewechselt ist, meint damit etwas, was sich auch in der Autoindustrie durchgesetzt hat: Da gibt es nicht mehr eine Vielzahl von Betrieben, die Teile direkt an BMW oder VW liefern. Es gibt nur wenige Lieferanten der ersten Reihe, zumeist global orientierte Großunternehmen, die ganze Systeme – etwa die Innenausstattung – und sogar deren Entwicklung verantworten und ihrerseits Lieferanten der zweiten Reihe beauftragen. Diese Kette setzt sich fort bis zu Kleinstbetrieben, die oft hochspezialisiert sind.

Vor allem die Kleinen müssen sich anstrengen, um bestehen zu können. Denn Airbus gibt auch den nationalen Proporz auf. Wurde bisher darauf geachtet, dass Unternehmen aus den Airbus-Ländern angemessen mit Aufträgen bedacht werden, wird künftig gerechnet. Wer die gleiche Qualität zum günstigeren Preis liefern kann, bekommt den Zuschlag – egal, ob die Firma in Deutschland sitzt, in Spanien oder Litauen.

Gleichzeitig wird der Konzern globaler. Zu den europäischen Werken und der Airbus-Produktion in China kommt bis 2015 ein Werk in den USA. Damit müssen sich auch die Lieferanten international ausrichten, wenn sie am Ball bleiben wollen. Für viele dürfte auch deshalb der Druck zunehmen, sich nach stärkeren Partnern umzusehen.

Investoren aus China stehen bereit

In Bayern gibt es zwar auch große Luftfahrt-Zulieferer – etwa den Triebwerksbauer MTU, die zum EADS gehörende Premium Aerotec in Augsburg oder die schweizerische Staatsholding Ruag in Oberpfaffenhofen. Doch überwiegend leben mittelständische und kleine Unternehmen von den Aufträgen großer Flugzeugbauer. Etwa Apparatebau Gauting, die die Be- und Entwässerungsanlagen für viele Flugzeugmodelle liefert. Zusammenschlüsse und Übernahmen in Bayern dürften häufiger werden.

Das könnte auch die Eigentümerstruktur der gesamten Industrie verändern. Während heimische Investoren vor Engagements in der Luftfahrtbranche zurückschrecken, sind andere ganz begierig, sich diese Unternehmen und deren Know-how einzuverleiben. Zahlreiche auf Kleinflugzeuge spezialisierte Unternehmen in den USA und Europa haben inzwischen Eigner aus China.

Von Martin Prem

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