Airbus-Betriebsrat stellt sich auf Werksverkauf ein

Hamburg - Die Airbus-Betriebsräte stellen sich auf den Verkauf von drei deutschen Werken im Rahmen des milliardenschweren Sparprogramms Power8 des europäischen Flugzeugherstellers ein.

Zwar lehnen die Arbeitnehmervertreter nach wie vor eine Ausgliederung ab, sollte sie vom Management dennoch umgesetzt werden, sprechen sich die Betriebsräte für die Beteiligung eines starken deutschen Partners ("nationale Lösung") aus. "Es ist nicht die Eigentümerstruktur, die uns umtreibt, sondern die Zukunftssicherung der Airbus-Standorte", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus Deutschland, Rüdiger Lütjen, am Mittwoch in Hamburg.

"IG Metall Küste und Gesamtbetriebsrat werden weiterhin für den Verbleib der Airbusstandorte Varel, Nordenham und Laupheim im Airbusverbund sowie gegen den geplanten Personalabbau streiten", bekräftigte auch die IG-Metall -Bezirksleiterin Jutta Blankau. In Deutschland stehen das Werk Laupheim in Baden-Württemberg (1.200 Mitarbeiter) sowie in Niedersachsen Varel (1.300) und Nordenham (2.200) zur Disposition.

Auch neun Monate nach der Ankündigung des Sparpakets, das im Konzern ebenfalls den Abbau von 10.000 Stellen vor allem in der Verwaltung vorsieht, lägen den Arbeitnehmervertretern "schlüssige Konzepte" immer noch nicht vor. Es sei schon sehr "fragwürdig und beschämend", wie sich die Unternehmensleitung verhalte. "Wir kennen keine Arbeitsplätze, auf die verzichtet werden kann", sagte Lütjen und verwies auf den Produktionshochlauf in allen Airbus-Programmen. "Es glaubt doch nicht ernsthaft jemand, dass wir vor diesem Hintergrund die sozialen Bedingungen nach unten schrauben." Der Tarifvertrag "SiduFlex" schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2012 aus.

Da sich Interessenten inzwischen in den Werken über die Betriebe informieren, sehen sich die Belegschaftsvertreter in der Pflicht, "wesentliche Anforderungen an die Investoren und an Airbus zu stellen". Sie verlangen unter anderem eine langfristige Standortsicherung der zum Verkauf stehenden Werke, deren industrielle Einbindung in die Airbus-Organisation, ein Fortführen der Tarifregelungen sowie zur wirtschaftlichen Stärkung der Werke die Möglichkeit, Geschäfte mit anderen Abnehmern als Airbus machen zu können.

"Dieses Drittgeschäft wird maßgeblich für die Stabilität der Werke sein", sagte Michael Erhardt von der Unternehmensberatung EWR Consulting, die die Arbeitnehmervertreter berät. Sie hat Zahlen des Mutterkonzerns EADS analysiert und kommt zu dem Schluss, dass das Unternehmen seit Jahrzehnten "hochprofessionell mit der Wechselkursentwicklung des Dollar" umgeht. Mit dessen Höhenflug war das Sparprogramm wesentlich begründet worden. Einen Kurs von über 1,40 Dollar je Euro habe es seit Anfang der achtziger Jahre schon zwei Mal gegeben, hieß es. Power8 sieht Kostensenkungen von 2,1 Milliarden Euro jährlich vor.

Auch die Bundesregierung favorisiert den Verkauf der Werke an deutsche Firmen. Dafür hatte sich Luftfahrtkoordinator Peter Hintze (CDU) ausgesprochen. Schließlich sei Airbus Nutznießer der Aufstockung von Forschungsgeldern im Luftfahrtbereich, hatte er erklärt.

Inzwischen sollen mehr als ein Dutzend Unternehmen Interesse an den Werken angemeldet haben. Dazu zählen Diehl (Nürnberg), EDAG (Hamburg), Kaefer (Bremen), die frühere Boeing-Tochter Spirit Aerospace und die MT Aerospace (Augsburg). Letztgenannte rechnet sich gute Chancen für die Übernahme von Varel und Nordenham aus. Hans Steininger, Vorstandsvorsitzender des Tochterunternehmens des Satellitenherstellers OHB Technology Bremen, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, da von Seiten der Politik eine deutsche Lösung gewünscht werde, sehe er sein Unternehmen als einzigen deutschen Mitbieter in guter Position. Das Angebot an Airbus solle in etwa zwei Wochen offiziell abgegeben werden.

Auftragsflut, Produktionshochlauf, neue Montage in China, das weitere großes Flugzeugprojekt A350, Sparprogramm und Neuorganisation - nach Auffassung der Betriebsräte hat sich Airbus zu viel vorgenommen. Die Verunsicherung unter den Mitarbeitern sei groß. "Das Vertrauen ist weg." Im Werk Laupheim sei die Fluktuation derzeit schon so hoch wie 2006 insgesamt. Wegen der gut laufenden Konjunktur sähen sich Mitarbeiter nach neuen Jobs um. Bis Jahresende verlassen mindestens 60 Mitarbeiter das Werk. Dagegen sollen in Hamburg (12 000 Mitarbeiter) bis Ende 2007 mehrere hundert Arbeitsplätze vor allem in der A380-Produktion hinzukommen. Gleichzeitig sollen laut Power8 an diesem Standort 2317 Stellen wegfallen, deutschlandweit 3455 Stellen. "Ich kann dies nur beschreiben, nicht erklären", sagte der Hamburger Arbeitnehmervertreter Horst Niehus.

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