+
Airbus beschäftigt nach eigenen Angaben 14 000 Mitarbeiter an 25 Standorten in Großbritannien, in seiner britischen Zulieferkette unterstütze es 110 000 Jobs. Foto: Angelika Warmuth

Investitionen überdenken

Airbus droht bei Brexit ohne Abkommen mit Teil-Rückzug

Die Brexit-Verhandlungen verlaufen schleppend, die Unternehmen werden zunehmend nervös. Airbus erhöht nun den Druck auf die britische Regierung.

Toulouse/London (dpa) - Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus droht im Falle eines harten Brexits ohne Abkommen mit dem Teil-Rückzug aus Großbritannien.

"Einfach ausgedrückt gefährdet ein Szenario ohne Deal direkt die Zukunft von Airbus im Vereinigten Königreich", erklärte der Leiter der Airbus-Verkehrsflugzeug-Produktion, Tom Williams.

Falls das Land im März 2019 ohne Abkommen aus der Europäischen Union aussteige und damit im kommenden Jahr Binnenmarkt und Zollunion sofort und ohne Übergangsphase verlasse, würde dies zu einer "schweren Störung und Unterbrechung" der Produktion führen. "Dieses Szenario würde Airbus dazu zwingen, seine Investitionen im Vereinigten Königreich und seinen langfristigen Fußabdruck im Land zu überdenken", teilte das Unternehmen mit.

Die Erklärung wurde in Großbritannien von Gewerkschaften, der Opposition und EU-Befürwortern mit Bestürzung aufgenommen. Premierministerin Theresa May sollte ihre roten Linien bei den Verhandlungen aufgeben, hieß es etwa aus der Labour-Partei.

Airbus hat seinen Hauptsitz im französischen Toulouse und beschäftigt in Großbritannien 14 000 Mitarbeiter an 25 Standorten, an seiner britischen Zuliefererkette hängen 110 000 Jobs. In den britischen Werken Filton und Broughton werden alle Flügel der Airbus-Verkehrsflugzeuge entworfen und hergestellt.

Der Brexit hat laut Williams "bei jedem Szenario ernsthafte negative Folgen" für das Unternehmen in Großbritannien. Airbus arbeite dort an der Entwicklung der nächsten Generation von Flugzeugflügeln, sagte Williams dem Sender BBC. Nun werde überlegt, ob dafür alternative Standorte infrage kommen. Die "Times" wies auf Ausweichmöglichkeiten in China hin. "Die Uhr tickt", sagte Williams der Zeitung.

In einer Risikobewertung hält Airbus einen geordneten Rückzug mit einem Abkommen für besser als einen Brexit ohne Deal. Die derzeit angedachte Übergangsphase bis Dezember 2020 reiche aber nicht aus, um die offenen Fragen zwischen der EU und Großbritannien zu regeln. Für Airbus sei sie zu kurz, um die notwendigen Änderungen in seiner umfangreichen Zuliefererkette umzusetzen.

Eine Regierungssprecherin sagte, dass man sehr wohl die Bedenken des Konzerns bei einem Treffen in der Downing Street im April angehört habe. London gehe nicht von einem EU-Austritt ohne Abkommen aus.

Die Scheidungsverhandlungen zwischen London und Brüssel verlaufen sehr schleppend. May regiert seit der vorgezogenen Parlamentswahl im vergangenen Jahr nur noch mit hauchdünner Mehrheit. Sie steht von mehreren Seiten unter Druck. Auch die Brexit-Hardliner ihrer Partei drohen immer wieder damit, sie zu stürzen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Streik in der Kabine: Ryanair streicht nächste Woche 600 Flüge - viele Ferienziele betroffen
Bei Ryanair spitzt sich der Konflikt mit dem fliegenden Personal zu. Jetzt streiken die Flugbegleiter. 
Streik in der Kabine: Ryanair streicht nächste Woche 600 Flüge - viele Ferienziele betroffen
Ryanair sagt für kommende Woche 600 Flüge ab
Bei Ryanair spitzt sich der Konflikt mit dem fliegenden Personal zu. Nach den irischen Piloten streiken nun die Flugbegleiter in mehreren europäischen Ländern. Die …
Ryanair sagt für kommende Woche 600 Flüge ab
Deutscher Aktienmarkt bleibt im Aufwind
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben auch zur Wochenmitte ihren Optimismus beibehalten. Der Leitindex Dax baute die Gewinne vom Vortag aus …
Deutscher Aktienmarkt bleibt im Aufwind
Continental spaltet Antriebssparte ab
Viele Zulieferer und Autobauer sind sich unsicher, was die Zukunft bringt. Manche spalten sich in einen chancenreichen und einen weniger zukunftsträchtigen Teil auf. …
Continental spaltet Antriebssparte ab

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.