Bei Airbus und EADS geht's jetzt um die Jobs

- Paris - Es ist paradox: Nie ging es Airbus besser als jetzt - und nie war der weltgrößte Anbieter von Passagierflugzeugen in einer tieferen Krise. Während die Produktion heiß läuft und die Werke bis Ende 2010 voll ausgelastet sind, plant Airbus einen drastischen Abbau der Belegschaft. Gleichzeitig muss der Konzern um seine Liquidität fürchten, obwohl die Rekordverkäufe mehr Geld in die Kassen schwemmen als je zuvor.

Jetzt bangen viele der 57 000 Airbus-Beschäftigte und Zehntausende Mitarbeiter von Zulieferern um ihre Jobs. Und alles nur, weil beim hochgelobten Super-Airbus A380 die Verkabelung nicht passt.

Der ganze EADS-Konzern muss die Krise bei Airbus verkraften. In einem Brief an die Mitarbeiter macht die Airbus-Mutter klar, dass auch Eurocopter, die Raumfahrt- und die Rüstungssparte bluten müssen, um Airbus finanziell über Wasser zu halten. Die erfolgreiche Umstrukturierung des Militär- und Satellitengeschäfts sei schließlich auch "nur dank der Airbus-Gewinne möglich" gewesen. Als erstes wurde für die zentrale Verwaltung ein Einstellungsstopp verhängt.

Noch vor wenigen Wochen hatte Airbus händeringend neue Mitarbeiter gesucht. Schließlich muss ein Rekord-Auftragsbestand von mehr als 2100 Flugzeugen abgearbeitet werden. Dazu werden neue Großprojekte wie der A350 geplant. In diesem Jahr baut Airbus 430 Maschinen, so viel wie nie zuvor. 2007 sollen es sogar noch mehr werden: Gerade wird die Fertigung des A320 von 15 auf 17 pro Monat hochgefahren. Doch das Milliardengrab A380 lässt Airbus keine Wahl: Die Kosten müssen drastisch runter. Das geht nur, wenn auch Stellen wegfallen.

Es geht um jede vierte Stelle in der Fertigung. Angesichts der angespannten Produktion hofft Airbus-Chef Christian Streiff allerdings, Entlassungen in den Werken weitgehend vermeiden zu können. Wenn die Gewerkschaften mitspielen, sollen die Lohnkosten über Vorruhestand, Arbeitszeitverkürzungen, das Auslaufen von Zeitverträgen und andere Maßnahmen gesenkt werden.

Schlimmer wird es die Verwaltungen treffen. Denn die Gemeinkosten sollen um 30 Prozent runter. "Das geht nicht nur mit weniger Werbung und einer Umorganisation des Managements", sagt Streiff. Rechnerisch stehen alleine in der Zentrale 1200 von 4000 Stellen auf der Kippe.

Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften werden heikel werden. Die IG Metall Küste schiebt die Schuld bereits den Managern im fernen Toulouse zu und kündigt Widerstand gegen Stellenabbau, Verlagerung der Produktion und Werksschließungen an: "Die Arbeitnehmer haben sich das Recht auf Erhalt ihrer Arbeitsplätze und Standorte erarbeitet." Die französische CGT wehrt sich dagegen, dass "die Dividenden der Aktionäre auf Kosten der schwächsten Arbeitnehmer gesichert" werden. Und die Gewerkschaft FO meint, Deutschland müsse die Hauptlast tragen, weil Frankreich seinen Beitrag schon geleistet habe.

Luftfahrtzentren wie Hamburg und Toulouse müssen nicht nur um Jobs bei Airbus fürchten, sondern auch um Tausende Stellen bei den meist mittelständischen Zulieferern. Nach dem Vorbild der Autoindustrie drängt EADS jetzt die Lieferanten zu Zugeständnissen. Wer kann, wird künftig billiger in Osteuropa oder Asien produzieren. In Hamburg kommen zu 12 000 Airbus-Werkern 8000 bei Lieferanten. Im Südwesten Frankreichs arbeiten von 60 000 Beschäftigten der Branche 37 000 direkt oder indirekt für Airbus.

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