Airbus: Flexibel arbeiten statt feuern

- Hamburg - Airbus Deutschland setzt auf Flexibilität in der Krise: Das vor drei Jahren beschlossene "Siduflex" soll sich jetzt in der Praxis bewähren. "Sicherheit durch Flexibilität" heißt das und soll, wie Airbus gestern ankündigte, für die 22 000 deutschen Mitarbeiter Beschäftigung sichern.

Düstere Erinnerungen an Sparprogramme werden wach. Doch "Dolores" (Dollar Low Rescue) -ein Programm das tausende Arbeitsplätze kostete -soll sich nicht wiederholen. "Wir warnen davor, dass jetzt die gleichen Fehler wie damals gemacht werden", sagt Peter Hlawaty von der IG Metall. "Wir müssen einen Wissensverlust vermeiden." Im November 1995 sollten insgesamt 8800 Stellen wegfallen.

Seitdem hat sich die Position von Airbus gründlich geändert: Vor zehn Jahren konnte der europäische Hersteller gerade erst im Segment der Klein- und Mittelstreckenflugzeuge zum Marktführer Boeing aufschließen. Bei den Langstreckenflugzeugen eroberten die Airbus-Baureihen A330 und A340 erst langsam Marktanteile gegenüber Boeing. Heute sind beide Unternehmen gleichauf, haben gut laufende Programme, aber auch Baureihen mit Modernisierungsbedarf.

Als Folge der Krise vor rund zehn Jahren und späteren Schocks für die Luftfahrtbranche wie die Terroranschläge von New York und die Lungenkrankheit SARS entstand bei Airbus in Deutschland vor rund drei Jahren das Arbeitszeitsystem "Siduflex". Es war dafür ge- acht, einer nicht planbaren Branchenentwicklung zu trotzen. Denn ein Flugzeug zu entwickeln und zu bauen, dauert Jahre. Krisen wie SARS oder Terroranschläge lassen aber die Nachfrage innerhalb von Wochen einbrechen.

Reagiert man mit Entlassungen, fehlt qualifiziertes Personal, wenn die Nachfrage wieder anzieht. Für die Qualifikation von Mitarbeitern in Fertigung und Wartungsbetrieben der Luftfahrt gelten weit höhere Standards als in anderen Branchen. Behörden verlangen detaillierte Prüfverfahren und Ausbildungsnachweise. Selbst nach Jahrzehnten ist nachweisbar, wer Teile aus- und eingebaut hat oder Reparaturen vornahm. Überall gibt es strenge Normen bis ins Detail.

Auch bei den Zulieferern: Für Notrutschen, feuersichere Sitze, Teppiche, Triebwerke oder Fahrwerksteile gibt es weltweit nur wenige, hochspezialisierte Anbieter. "Siduflex"- Lösung wurde von allen Beteiligten als zukunftsweisendes Modell für eine "atmende Fabrik" gelobt -ein System aus mehreren Konten: Ein Arbeitszeitkonto deckt kurzzeitige Schwankungen ab. Auf ein Sicherheitskonto wird im Fall von Überkapazitäten in bestimmten Bereichen "eingezahlt", um später eventuelle Kurzarbeit zu vermeiden.

Das Lebenszeitarbeitskonto gibt Mitarbeitern die Möglichkeit, in den Ruhestand zu gehen. "Airbus hat eine passgenaue betriebsspezifische Lösung gefunden, die den Belangen dieses Industriezweiges Rechnung trägt", sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Nordmetall, Thomas Klischan, nach der Unterzeichnung 2003. "Diese Vereinbarung hat Modellcharakter zur Optimierung betrieblicher Beschäftigungspolitik", sagte damals Frank Teichmüller von der IG Metall.

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