Airbus und das Geisterflugzeug

- München - Längst hat Airbus den Rivalen Boeing abgehängt. Wenigstens eine Marktnische wollte sich der US-Rivale mit seinem "Dreamliner" 7E7 zurückerobern. Und es sah so aus, als würden die Europäer ihm das gönnen. Doch nun verdichten sich die Anzeichen, dass die Europäer auch auf dieses Boeing-Projekt kontern.

<P>"Wir arbeiten immer an vielen Projekten und Ideen", begründete ein Airbus-Manager, dass es entsprechende Entwicklungsarbeiten gab. "Das ist notwendig, um auf dem Laufenden zu bleiben, und hat nichts damit zu tun, was am Ende gebaut wird." Doch das Geisterflugzeug A350, über das kein Mensch bei Airbus offiziell redet, macht dem US-Konkurrenten ernsthaft Sorgen. </P><P>Wie konkret das Duell geworden ist, hat das britische Luftfahrtmagazin Flight International enthüllt: Danach hat Singapore Airlines ganz überraschend einen Großauftrag für die neue Boeing 7E7, die 2007 ihren Jungfernflug absolvieren soll, für wenigstens ein Jahr zurückgestellt. Bei SIA wolle man erst einmal abwarten, so Flight International, mit welchen Leistungsdaten Airbus sein neues Konkurrenz-Projekt offerieren wird, und dann entscheiden.<BR>Für Boeing ein großer psychologischer Rückschlag, denn eine 7E7-Bestellung durch Singapore Airlines hätte Signalwirkung gehabt. Andere große Fluggesellschaften wie die Lufthansa und Northwest Airlines stehen Gewehr bei Fuß. Sie gelten als potenzielle 7E7-Kunden.</P><P>Tatsächlich ist Airbus im Hintergrund schon rührig geworden, um auch im Markt der lukrativen neuen 250-Sitzer weiterhin eine ebenbürtige Rolle spielen zu können. Schließlich wird der weltweite Bedarf an Flugzeugen dieser Art und Größe in den kommenden 20 Jahren auf annähernd 15 000 Stück geschätzt. Noch auf der Luftfahrtschau in Farnborough im Juli war Airbus-Präsident Noë¨l Forgeard entsprechenden Fragen ausgewichen: "Die 7E7 ist die amerikanische Antwort auf unseren Airbus A330." Doch mit Rolls-Royce und anderen Triebwerksherstellern war damals schon über neue Motorenentwicklungen gesprochen worden. </P><P>Hintergrund: Die beiden bewährten Airbus-Programme A300-600 und A310, die inzwischen schon über zwei Jahrzehnte laufen, klingen aus. Genauso wie die erfolgreichen Typen Boeing 757, deren Produktion in diesem Jahr eingestellt wird, und Boeing 767. Da man bei Boeing in gut drei Jahren die 7E7 marktreif haben will und Airbus glaubt, eine veränderte A330 alias A350 bis dahin auch offerieren zu können, muss der einstige Branchenführer Boeing nun fürchten, erneut den schwarzen Peter gezogen zu haben.</P><P>Airbus wird, wie immer das Flugzeug aussehen und wie es offiziell heißen wird, seine bewährte Familien-Philosophie fortsetzen. Denn auch die neue Boeing 7E7 wird wieder ein Lone Star (ein einsamer Stern) sein, wie amerikanische Fluggesellschaften bedauern. Die Piloten von Airbus können anders als bei Boeing ohne Probleme innerhalb der A320-Familie bis zur A330 und A340 wechseln - und auf das neue Flugzeug. Dass dies die Betriebskosten senkt, hat Boeing offenkundig nicht wachgerüttelt. Kein Wunder, dass von der 7E7 erst 62 Stück bestellt worden sind. Bislang noch von keiner US-Airline, obwohl Boeing bereits seit langem in konkreten Verkaufsverhandlungen mit zwei Dutzend Fluggesellschaften steht.</P>

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