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Neuer Verkaufsschlager: Der Airbus A330neo.

Luftfahrt

Airbus-Kunden erzwingen Rolle rückwärts

München - Anfang 2014 wurde Airbus durch große Abbestellungen gebeutelt. Doch der neu vorgestellte A330neo kommt gut an. Die Kunden haben eine Rolle rückwärts erzwungen und bringen Airbus zurück auf den ursprünglich Weg.

Die wichtigste Europäische Luftfahrt-Messe in diesem Jahr im britischen Farnborough in der letzten Woche hat Airbus einen Auftragsschub beschert. Vor allem die neu vorgestellte A330neo hat mit 121 Bestellungen überrascht. Mit neuen Triebwerken soll der 20 Jahre alte und nun runderneuerte A330 wirtschaftlicher mit Treibstoff umgehen als bisher. Außerdem orientiert sich die Gestaltung und die Ausstattung der Kabine am Dreamliner 777 vom Konkurrenten Boeing und dem A350 aus dem eigenen Haus. Im ersten Halbjahr 2014 wurde der Auftragsbestand von Airbus noch durch mehrere große Abbestellungen gebeutelt.

Einerseits könnte Airbus nun mit dem A330 den Erfolg des kleineren A320neo wiederholen, der sich seit seiner Ankündigung im Jahr 2010 über 3000mal verkaufte. Doch andererseits hat Airbus nun zwei Modelle in der Klasse zwischen 250 und 300 Sitzen: Den A330neo und den ganz neu entwickelten A350. Damit konkurriert das Unternehmen mit sich selbst. Das Aus für die kleinere A350 Variante gilt bereits als sicher. Für sie liegen derzeit gerade mal 34 Bestellungen vor.

Die A330neo wurde vor allem auf Druck von Flugggesellschaften entwickelt, die eine Variante des Erfolgsmodells A330 mit sparsameren Triebswerken wollten. Das ist bemerkenswert: Airbus hatte ursprünglich mit der A350 nichts im Sinn als eine modernisierte A330. Auch damals rebellierten die potenziellen Käufer und erzwangen eine völlige Neuentwicklung. Das war ein Abenteuer, das Airbus neben den Problemen beim zweistöckigen A380 und beim Militärtransporter A400 M eigentlich nicht auf sich nehmen wollte. Die A350-Entwicklungskosten drückten für Jahre den Gewinn und den Aktienkurs. Nur ein unerwarteter Ansturm von Käufern linderte die Schmerzen. Trotz zahlreicher Abbestellungen in diesem Jahr stehen rund 750 Bestellungen in den Auftragsbüchern.

Nun erzwangen die Kunden die Rolle rückwärts und brachten Airbus zurück auf den ursprünglich geplanten Weg. Sie könnten jetzt entscheiden, ob sie ein runderneuertes Flugzeug wollen oder ein ganz neues. Das setzt sich unter anderem mit einer Reichweite von bis zu 16 300 Kilometern von der verjüngten Schwester ab. Sie ist aber auch teurer. Die Kunden haben nun also mehr Auswahl. Neben den beiden Airbus- Modellen fliegt auch der Boeing Dreamliner 777 in dieser Klasse.

Keine Wahl haben die Kunden dagegen beim Triebwerk: Die A330neo wird nur mit Turbinen von Rolls-Royce angeboten, während beim bisherigen A380 auch noch Motoren der beiden anderen großen Hersteller General Electric (GE) und Pratt & Whitney (P & W) zu haben waren. Damit ist auch der große Münchner Triebswerkszulieferer MTU diesmal nicht mit im Spiel. MTU arbeitet vor allem mit P & W und GE zusammen.

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MTU profitierte in Farnborough vor allem von Boeing- Erfolgen. Allein 200 Festbestellungen und 100 Optionen für die Boeing 777 mit neuen GE-Triebwerken, an denen MTU als Zulieferer beteiligt ist, füllen auch in München die Auftragsbücher. Dagegen wurden diesmal nur 50 A320neo mit sogenannten Getriebefans (GTF) von P & W bestellt. Doch kleinere Regionaljets mit Triebwerken der GTF-Familie wurden reichlich abgesetzt. Bombardier (Kanada) verkaufte 67 Flugzeuge ihrer C-Series, Mitsubishi (Japan) 50 Stück ihrer Regionaljets MRJ und Embraer (Brasilien) ebenfalls 50 Stücks ihres E2 Jets. Bei all diesen Programmen ist MTU als Zulieferer mit an Bord.

Von Martin Prem

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