Airbus: Kunden müssen länger auf das neue Flaggschiff warten

- Toulouse - Schon die Verschiebung des Erstflugs ließ Gerüchte aufkeimen, Airbus könnte sein Flaggschiff A 380 nicht rechtzeitig ausliefern. Nun musste der Flugzeugbauer Verzögerungen von zwei bis sechs Monaten einräumen. Neben den Einahmeausfällen drohen Airbus auch Entschädigungsforderungen von Kunden. Unterdessen ist die Führungsfrage in Toulouse weiter offen.

<P>Airbus versuchte zu beschwichtigen. Bisher habe es im Flugzeugbau noch keine pünktliche Erstauslieferung gegeben, sagte Sprecherin Barbara Kracht. Sie verwies auf Verspätungen von über einem Jahr beim Konkurrenten Boeing. Bei Neuentwicklungen übliche kleinere Änderungen seien die Ursache der Verzögerungen. Aber bei den bisher 15 Testflügen des A 380 habe sich "nichts Gewaltiges" ergeben. Der Zeitplan des Projekts sei allerdings sehr knapp bemessen.<BR><BR>Die Kunden sehen die Sache offenbar weniger gelassen: Qantas kündigte bereits Schadenersatzforderungen an. Im Oktober 2006 sollte der erste von zwölf bestellten A380 für die australische Fluggesellschaft fliegen. Dieser Termin wurde nun auf April 2007 verschoben.<BR><BR>Auch andere Käufer müssen ihre Planungen über den Haufen werfen. Der erste A 380 geht zwar weiterhin an Singapore Airlines. Unsicher ist aber, ob der Einsatz, der für Mitte 2006 geplant war, wenigstens im Schlussquartal des nächsten Jahres klappt.<BR><BR>Am stärksten betroffen ist der bislang größte A380-Kunde Emirates. Die Gesellschaft warnte bereits vor "ernsten Problemen, falls sich die Auslieferung um mehr als ein halbes Jahr verzögern würde. Ein paar Monate Verzögerung brächten "keine unüberwindbaren Probleme", sagte Emirates-Chef Tim Clark. Sechs bis zwölf Monate würden aber die Entwicklungspläne gefährden.<BR><BR>Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber ist von Verzögerungen nach eigenen Angaben "nichts bekannt". Air France dagegen bestätigte, von Airbus über Verzögerungen informiert worden zu sein.<BR><BR>In der Bilanz von Airbus und seinen Müttern EADS und BAe-Systems dürfte die Verspätung tiefe Spuren hinterlassen. Die Kosten laufen planmäßig weiter. Doch die Einnahmen verspäten sich mit den Auslieferungen. Bis zu 14 Exemplare des größten Airbus sollten noch 2006 ausgeliefert werden. Dies dürften nun aber weniger als zehn werden. Darüber hinaus lasten auch in Verträgen mit den Kunden festgelegte Zahlungen für die Verspätungen auf der nächsten Airbus-Bilanz. Allerdings dürften die Strafen, wie ein Pariser Analyst sagte, gering ausfallen.<BR><BR>Während die Probleme bekannt wurden, plagen die Bosse und Großaktionäre des europäischen Luftfahrtkonzerns andere Sorgen. Die Führungsfrage beim größten Zivilflugzeugbauer der Welt bleibt weiterhin ungelöst, obwohl die EADS den gestrigen Mittwoch als letzten Termin für eine Reform der Managementstruktur gesetzt hatte. Zwar wird mittlerweile allgemein davon ausgegangen, dass der bisherige Airbus-Vize Gustav Hubert an die Stelle von Noë¨l Forgeard rückt, der an die Spitze des Mutterkonzerns EADS wechseln soll. Die formale Bestätigung zieht sich aber offenbar hin, weil in die große Rochade offenbar weitere Führungsposten im deutsch-französischen Rüstungskonzern einbezogen werden. Im Wesentlichen gehe es um Details der Zuständigkeiten. Eine Mitteilung sei frühestens am heutigen Donnerstag zu erwarten. Doch darauf festlegen will sich keiner mehr. Die Mitteilung könne auch später kommen, heißt es.<BR> <BR></P>

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