Airbus reißt ein tiefes Loch in EADS-Bilanz -­ Sparkurs bekräftigt

- München -­ Ein immer noch volles Auftragsbuch und die geglückte Sanierung kränkelnder Bereiche haben die EADS vor Schlimmerem bewahrt. So riss die Airbus-Krise den Konzern zwar tief in die roten Zahlen, doch der Vorsteuerverlust von 239 Millionen Euro kam bei den Anlegern offenbar weniger schlecht an als erwartet. Trotz des ersten Quartalsverlustes in der Konzerngeschichte legte die Aktie leicht zu.

Mit minus 350 Millionen Euro belastet allein Airbus das Zahlenwerk. Im Vorjahr brachte die wichtigste Konzerntochter noch plus 410 Millionen ins Gesamtergebnis ein. Dick im Minus auch die "übrigen Aktivitäten", das sind in Frankreich angesiedelte Töchter, an denen die französischen Großaktionäre besonders hängen. Selbst Eurocopter hat einen leichten Ergebnisrückgang zu verkraften von 45 auf 41 Millionen Euro.

Doch einstige Sorgenkinder hellen das Bild ein wenig auf: Die viele Jahre defizitäre Raumfahrt schreibt nun ein Plus von 9 Millionen Euro (Vorjahresquartal 3 Millionen). Die Verteidigungs- und Sicherheitssysteme verzeichnen einen Gewinnsprung um 23 auf 52 Millionen Euro. Und auch bei den militärischen Transportflugzeugen stieg das Plus von 15 auf 16 Millionen Euro.

Neben den schlechten Zahlen hat EADS einen weiteren schweren Schlag aus der Airbus-Ecke zu verkraften. Der bisher wichtigste Kunde für die Frachtversion der A380, der US-Logistikkonzern Fed-Ex, wechselte direkt zum Erzrivalen, statt 10 der nur verspätet verfügbaren großen Airbusse kauft Fed-Ex nun 15 Maschinen vom Typ Boeing 777 ­\ dies, obwohl der Auftrag an Boeing (nach Listenpreisen) mit 3,6 Milliarden Euro rund ein Drittel teurer ist als der an Airbus. Fed-Ex-Chef Frederick Smith verwies auf das rasche Wachstum der Luftfracht-Nachfrage und begründete den Wechsel zu Boeing mit den "erheblichen Verzögerungen" bei Airbus.

Angesichts der Belastungen bekräftigte die Konzernspitze um Louis Gallois und Tom Enders das Sparpaket "Power 8". Die Airbus-Krise und die anhaltende Dollar-Schwäche "erfordern weitreichende Maßnahmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben", erklärten die EADS-Chefs.

Unterdessen dementierte Airbus-Einkaufsvorstand Henri Courpon Berichte, Airbus wolle die Zahl der Lieferanten von 3000 auf 500 senken. Doch solle die Zahl der Lieferverträge drastisch sinken.

Die Lieferanten sollen sich möglichst gruppieren und größere Systemeinheiten anbieten. Dies entspricht Bestrebungen des Mutterkonzerns EADS, die deutsche Zuliefererszene über den Branchenverband BDLI neu zu organisieren. Große Zulieferer sollen demnach Vertragspartner bleiben. Kleinere Unternehmen, wie sie für Deutschland typisch sind, werden als Zulieferer der Zulieferer in die dritte Reihe verbannt.

Für laufende Flugzeugprogramme sind die Verträge kaum zu ändern. Doch für das Zukunftsprojekt A350 sieht das anders aus. "Der A350 gibt uns die Gelegenheit, die Anbieterbasis für künftige Programme neu zu gestalten", sagte Courpon.

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